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06.08.16 Johannesburg, Joburg, Jozi, Jo'anna und Soweto und dann über Amsterdam nach Hause

Auch an unserem letzten Tag müssen wir früh raus. Bis 8.30 Uhr sollten wir ausgechecked, unser Gepäck deponiert und gefrühstückt haben, denn um düse Zeit werden wir zu unserer Tour abgeholt.Das Frühstücksbüffet ist super, hat allerdings den Charme eines 500 Betten Hotels...Macht aber nix, denn mit deutscher Pünktlichkeit holt uns Hartmut von Touraco mit einem Kleinwagen vor dem Hotel ab. Wir haben heute eine Privatführung auf Deutsch, denn Hartmut und seine Frau Irene kommen aus Namibia und sind dort durch ihre Eltern und Großeltern mit der deutschen Sprache aufgewachsen. Hartmut hat in Johannesburg Telekommunikationswissenschaften studiert und als Ingenieur in diesem Bereich erst in Namibia und dann in Pretoria gearbeitet. Er war in der Branche im Management bis er die Nase voll davon hatte, dass Schwarze aufgrund der Quote den Weißen gegenüber bei der Vergabe von höheren Positionen immer bevorzugt wurden....So ist er in Touristik-Industrie gekommen. Er betreibt mit seiner Frau Irene ein Gästehaus im Osten von Pretoria. Die beiden planen als Agentur auch Touren für Selbstfahrer und Hartmut ist als Reiseführer mit kleinen Gruppen in ganz Afrika unterwegs.Heute fährt er zunächst mit uns nach Soweto. Wir bekommen die komplette Geschichte der Gründung von Joburg von der Farmer- zur Goldminen-Stadt, die Entwicklung der Apartheid und die Zeit bis zu den Wahlen in dieser Woche vermittelt. Hartmut weiß sehr viel und vermittelt uns dieses Wissen unablässig. Eine Redepause und etwas wirken lassen der Eindrücke wäre sicherlich noch schöner gewesen. Neben den Infos fehlte das Gefühl. Aber Soweto haben wir in allen Facetten durchfahren. Von den Wellblech-Slums bis zu den kleinen Villen, die es dort inzwischen gibt, denn in Soweto wohnen heute auch die meisten schwarzen Millionäre. Natürlich ist auch Platz für so viel Unterschiedlichkeit, denn in den vielen Vierteln von Soweto wohnen ca. 2,1 Millionen Menschen. Wie schon in Kapstadt ist es auch heute wieder erstaunlich, wie nah arm und reich nebeneinander liegen. Allen gleich ist, dass die den Strom der Straßenlaternen anzapfen, selbst wenn wenn ihr Haus am Stromnetz angeschlossen ist. Ist natürlich billiger. Wir kommen an den Häusern von Nelson Mandela und Desmond Tutu vorbei und auch das Haus von Winnie Madikizela-Mandela liegt in diesem Viertel von Soweto, Orlando. Von der dortigen Orlando Primary School gingen u.a. am 16. Juni 1976 die Protestmärsche der Schüler gegen die Einführung des Afrikaans aus, die als Sprache der Unterdrücker galt. Die total überforderte weiße Polizei schoss damals in die Menge und tötete u.a. damals den 12-jährigem Hector Peterson, dessen erschütterndes Foto um die Welt ging. Die Unruhe griffen auf ganz Südafrika über mit mehr als 550 Opfer und werden heute als Anfang vom Ende des Apartheidsregimes angesehen. Allerdings waren alle Staaten zunächst sehr zögerlich, Sanktionen gegen Südafrika zu verhängen, weil natürlich das Gold und die Diamanten, aber auch die Waffenindustrie sehr attraktiv waren. Wir sehen uns das Hector Peterson Museum an: Die Situation der schwarzen Arbeiter in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts war unfassbar. Keinerlei Rechte, keine Bildung, kein Land in den Ballungszentren, aber begehrte Arbeitskräfte in den Minen.Die Weißen dagegen bedienen sich der billigen Arbeitskräfte. Wie heute in vielen Fällen auch, finden wir. Was Hartmut eben ein bisschen anders sieht.Was er allerdings immer wieder betont, sind die Errungenschaften von Nelson Mandel, der dem Land so fehle und der es vollbracht habe, die Weißen dazu bringen etwas abzugeben und die Schwarzen dazu, auch etwas zur Gemeinschaft beizutragen und eben nicht nur auf Staatskosten zu leben, wie es heute wieder sei.Spannend werden die Konsequenzen der aktuellen Komunalwahlergebnisse sein, denn der ANC habe erneut verloren und komme in Joburg auf keine 50% mehr. Vielleicht handele er ja jetzt gegen die eigene Korruption.Mit diesen Gedanken fahren wir nach Joburg Downtown. Hier ist alles etwas in die Jahre gekommen. Seit die Goldminen mehr oder weniger ausgebeutet sind und die Platinpreise seit 2010 in den Keller gefallen, stehen ganze Gebäudekomplexe leer und sind marode. Flüchtlinge vor allem aus Mosambik, aber auch aus anderen afrikanischen Ländern sind zu tausenden einfach in die Gebäude eingezogen. Ohne Zahlungen. In den letzten Jahren hat die Stadt nun versucht, ein paar Viertel zu sanieren und Investoren zu gewinnen. Auch Theater und Museen sind gefördert worden. Aber noch wirkt die Stadt in Teilen sehr herunter gekommen, wie wir auch gut vom 50sten Stock des Carlton Centres sehen können, angeblich dem höchsten Gebäude im südlichen Afrika. Die Stadt hat einfach die besten Zeiten hinter sich gelassen, denken wir, als wir über die Nelson Mandela Brücke fahren. Nur die reichen Viertel, in denen Mandela zuletzt als Präsident und später gewohnt hatte, ist wunderschön.Sandton ist ebenfalls "schön" und hat wohl die höchsten Quadratmeterpreise im südlichen Afrika, wirkt aber an einem Samstag etwas seelenlos und erinnert an das Bankenviertel in Frankfurt am Wochenende. So fällt unser Resümee, das wir nach unserem Abschied von Hartmut am Nelson Mandela Square sitzend ziehen, nicht besonders positiv aus. Diese Station hätten wir auslassen können. Haben wir aber nicht!Ein letztes Mal steigen wir in unser Auto und suchen uns den Weg zum O.R. Tambo International Airport, wo um 23.15 Uhr unser Flug zurück nach Amsterdam geht.Drei Wochen liegen hinter uns - die sich anfühlen wie vier verschiedene Urlaube: (1) Städtetouren mit historischen Daten und politischen Einschätzungen in Kapstadt und Joburg, (2) Strandurlaub in Wilderness, Knysna und Plettenberg und natürlich mit den Walen in De Kelders, (3) Roadtour durch die Drakensberge und auf der Panorama Route und (4) Tierbeobachtungen in Balule und im Kruger Park.Wir sind voller Eindrücke als wir in Amsterdam landen und zurück nach Köln fahren und diesen Block beenden.Vielen Dank für all Eure Kommentare und whatsapps auf unserem Weg durch Südafrika. Weiter geht's wenn es wieder mal heißt "up-and-away"!

Tina am 7.8.16 16:00

Letzte Einträge: alle zwei Jahre.....2016: South Africa!!!!, 20.7.16 Kap der guten Hoffnung - zweiter Versuch bei 11 Grad und 90 Grad Regen

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(8.8.16 22:56)
Ich danke Dir und Euch führ den aufregenden, bewegenden blog ! Man, ich habe mitgefiebert und mitgelebt. So viele tolle alte Erinnerungen sind plötzlich wieder da …. Ich hoffe, Ihr legt auch mental eine sanfte Landung in Köln hin ! auf ganz bald , alles Liebe Steff aus dem dicken B.

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