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alle zwei Jahre.....2016: South Africa!!!!

Endlich: In diesem Jahr ist endlich wieder DAS VERFLIXTE ZWEITE JAHR....in dem eine GEMEINSAME längere - sehr weite - sehr sehr weite - interkontinentale Reise "erlaubt" ist:Wir fliegen morgen früh von Amsterdam nach Süd Afrika!Ab in den Winter!Zunächst geht es mit dem eigenen Mietwagen auf eine Süd-Schleife: Für zwei Wochen nach Kapstadt und dann entlang der Garden Route mit dem Rückweg über die Weinregion im Süden nach Kapstadt.Und dann haben wir tatsächlich noch einen Inlandsflug nach Nelspruit gebucht, um in den Krüger Nationalpark zu fahren, in einem private game reserve "die big five!" zu beobachten (HOFFENTLICH!), auf der Panorama Route die Landschaften zu bewundern und dann über Johannesburg den Rückflug anzutreten.Ich bin schon sehr gespannt!Up-and-away to South Africa!

2 Kommentare Tina verlinken 16.7.16 12:03, kommentieren

16./17.7.16. Über Amsterdam nach Kapstadt

Endlich! Nach einer knackigen Woche mit Dienstreise bleibt nur noch der Samstag zum Packen und zur Organisation aller persönlichen Dinge, bevor die abendliche Fahrt mit dem Auto Richtung Amsterdam startet. Natürlich mit dem Laptop auf dem Schoß, um die letzten Emails los zu schicken....Die Strecke ist frei und nach 2,5 Stunden sind wir in Schipol. Trotz Navi finden wir allerdings unser Park & Stay one night Hotel erst eine knappe Stunde später und nur durch mehrere Telefonate mit dem Hotel (der freundliche Barmann erklärt mir, dass ich in das Navi ein Ziel eingeben muss....ach so!!!😜. Final hilft nur der zusätzliche Wegweiser im iPhone. Als wir um 1.30 Uhr endlich im Bett liegen bleibt nicht mehr viel Zeit für die Tiefschlafphase: Um 7.30 Uhr geht das Shuttle zum Flughafen.Nachdem wir mit Hilfe von riesigen Maschinen unser Gepäck selber eingecheckt haben, ist gerade noch Zeit für einen Milchkaffee, bevor wir uns in die allerletzte Reihe des Fliegers setzen. Unser Sitznachbar ist ein weißer Südafrikaner, der uns empfiehl kein Township anzusehen.... Mal sehen....10 Stunden 52 Minuten sowie 3 Filme, zwei Pizzas und zwei Eis später (es geht doch nichts über den mittleren Sitzplatz in der mittleren Dreier-Reihe, der von den herzlichen KLM Stewards beider Gänge durchgängig verpflegt wird..."are you still hungry?" Na klar!) setzen wir zu einer weichen Landung in Kapstadt an. Um 22.30 Uhr sitzen wir in unserem Auto, einen weißen Nissan Almera mit 30.000 gefahrenen Kilometern und einen Navi. Die Fahrt nach Bakoven/Camps Bay dauert ca. 45 Minuten - jedenfalls für uns, denn der Linksverkehr inklusive schalten mit der linken Hand ist doch gewöhnungsbedürftig.Um 23.30 Uhr halten wir dann endlich den Zimmerschlüssel vom Ocean View House in der Hand. Das große Einfahrtstor in der Außenmauer mit Stacheldraht-Krone hat sich hinter unserem Auto wieder geschlossen. Der schwarze Nachtwächter hat uns freundlich eingewiesen. Es ist Meeresrauschen zu hören in der Dunkelheit. Wir sind sehr gespannt auf den Ausblick am nächsten Morgen und freuen uns in unserem riesigen Zimmer bei einem Willkommensbier und Snacks auf drei Wochen Urlaub in Südafrika!

Tina verlinken 17.7.16 21:42, kommentieren

18.7.16 30 Minuten Blick von einem der neuen 7 Naturwunder: Dem Tafelberg!

Als wir am Montagmorgen in Camps Bay erwachen scheint die Sonne! Damit hatten wir nicht gerechnet. Die Wettervorhersage war sehr schwankend was den südafrikanischen Winter angeht. So genießen wir ein laaaanges Frühstück (hier "serven" sie bis 10.30 Uhr) am Pool unseres Hotels mit Blick auf den Atlantik - allerdings hinter der Fensterscheibe.Anschließend fahren wir zur Cableway Station am Table Mountain, keine 10 Minuten von unserer Unterkunft entfernt. Der Blick auf Kapstadt ist bereits von dort wunderschön. In der Bahn allerdings erschließt sich uns erst die wahre Faszination: die Gondel dreht sich um 360 Grad während wir auf 1085 Meter hoch rauschen. Sowohl der Blick auf die Stadt als auch auf die zerklüftete Felswand begeistert. Auf der Tischplatte oben angekommen genießen wir die Aussicht - nur der Lion's Head ist wolkenverhangen und in Richtung Kap gibt es ein paar Wolkenteppiche. Bei einem Spaziergang über das Plateau lassen wir uns den Winterwind um die Nase wehen und die Bergsonne ihre Spuren in unseren Gesichtern hinterlassen: An Sonnencreme hatten wir bei der Vorhersage natürlich nicht gedacht.Als wir wieder an der Kante oberhalb der Stadt stehen ist nur noch Robben Island draußen in der Bucht zu sehen. Alles andere ist plötzlich unter Wolken verschwunden. Und taucht innerhalb der nächsten Stunde nicht mehr auf. Wir trinken einen Kaffee, lernen die Dassies (Klippschlierfer) kennen, die wie Murmeltiere aussehen, aber dank ihrer ständig nachwachsenden Zähne imOberkiefer mit Elefanten verwandt sind (bei der Größe kaum zu glauben) und werden trotzdem nicht mit einem weiteren Blick belohnt. Kapstadt bleibt verschwunden und die Abfahrt mit der Gondel ist ein Blindflug mit 360 Grad Rotation - eher ein mulmiges Gefühl. Wie schön, dass wir überhaupt einen Blick genießen konnten.An der Talstation gibt es einen Hop-on-Hop-off-Bus-Stop. Wir steigen in die red line, um eine Runde durch die Stadt zu fahren und einen Überblick zu bekommen: Über Camps Bay, Glen Beach, Clifton und Queens Beach vorbei am Mouille Point sehen wir überall Areale hinter Mauern und Stacheldraht. "Armed Response" scheint der Sicherheitsdienst der Wahl bei den Weißen zu sein....Die Objekte liegen wunderschön. Im Sicherheitstrakt wohnen möchte ich allerdings nicht. Wir verlassen den Bus an der Victoria & Alfred Waterfront. Shops und Restaurants prägen das Bild. Kunden sind weiß, Verkäuferinnen und Verkäufer schwarz....Inzwischen ist der Himmel wieder blau und wir sehen die große Werft und die Bronzestatuen der 4 südafrikanischen Nobelpreisträger Luthuli, Tutu, de Klerk und Mandela vor dem Tafelberg in der Abendsonne. Ein erhabenes Bild. Klar wird für uns an diesem ersten Tag allerdings, dass das Ende der Apartheid nicht der Beginn der Gleichstellung bedeutet: Die Häuser und Straßen werden von Schwarzen gebaut, von Weißen bewohnt und befahren. Um 18 Uhr stellen sich zum Feierabend tausende von Autos in den Stau, von Weißen gefahren. Auf den Bürgersteigen drängeln sich die Schwarzen auf ihrem Weg zu Fuß nach Hause. Mit dem letzten Bus kehren wir schließlich zum Tafelberg zurück und werfen dabei einen kurzen Blick auf die Tower des Bankenviertels, die kleinen Kolonialhäuschen, die bunten Fassadendes Malaienviertels Bo-Kaap und erleben schließlich den Sonnenuntergang über dem wolkenverhangenen Lion's Head.Ein erlebnisreicher Tag geht bei einem hervorragenden indischen Essen zu Ende (ja, ja, wir sind experimentierfreudig!😜 In einem Restaurant voller Araber, Inder, Europäer, weißer Südafrikaner. Das Essen wir von Sophia gebracht, der schwarzen Kellnerin.

Tina verlinken 18.7.16 11:35, kommentieren

19.7.16 Die Kaphalbinsel - heute ohne Kap aber mit Sebastiaan

Nach einem ausführlichen Frühstück machen wir uns auf den Weg, die Kaphalbinsel zu erkunden. Wir starten mit den Weingütern Constantia - und bleiben auf High Constantia hängen. Bei einer Weinprobe um 12 Uhr mittags und dem Kauf des Weines "Sebastiaan", der wirklich ein Highlight ist und in Europa einen Preis in der Kategorie Bordeaux gewonnen hat - was uns erst nach unserem Kauf verraten wird. Das Weingut übt sich in understatement und kommt bei den Besuchern scheinbar zu kurz, da es neben DEM bekannten Gut Groot Constantia liegt. Wir sind die einzigen Gäste und bekommen die volle Aufmerksamkeit der weiblichen schwarzen Sommelière. Anschließend müssen wir erst mal in einem nahe gelegenen Café bei einem Americano ausnüchtern.....schließlich soll es mit dem Auto noch über die ganze Halbinsel gehen.Als es endlich am frühen Nachmittag weiter geht ist der Himmel grau, es regnet immer mal wieder bei 15 Grad. Winter in Südafrika. So fahren wir auf dem Boys Drive, der Bergstrecke, an den bekanntesten Stränden vorbei: Muizenberg, St. James. Das Grau des Himmels und des Meeres lässt die bunten Strandhüttchen allerdings nicht so zur Geltung komme, wie es die Fotos in allen Reiseführern zeigen. Sehr schade. In Fish Hoek lugt die Sonne dann doch durch die Wolken und die Hai-Warnschilder kommen dagegen sehr gut zur Geltung....dabei soll es hier ein Hai-Netz geben....aber bei 15 Grad Außentemperatur ist das auch egal.Das Wetter hält bis Simon Town, wo wir am Boulder Beach die Kolonie der Afrikanischen Pinguine besuchen. Und die machen richtig gute Laune: Sie watscheln dahin, fallen über kleine Hindernisse, rappeln sich auf und weiter geht's; gerne auch ins Wasser, dort wird dann geplantscht. Es ist ein Spaß zuzuschauen.Dennoch ist bei mir anschließend erst mal die Luft raus: Der mittägliche Wein zeigt Nachwirkung. Zum Glück gibt es das kleine Café Penguino, in dem es köstliche Sandwiches gibt, während der Wind, der erneut aufgefrischt ist, ums Häuschen heult.So vergeht die Zeit und "ganz plötzlich" ist es 16.30 Uhr und zu spät, um noch bis zum Kap zu fahren, denn der Nationalpark schließt um 17 Uhr. Hm, der Plan ist für heute also nicht aufgegangen. Wir brauchen einen zweiten Anlauf. Den heutigenTag lassen wir auf der Straußenfarm "Cape Point Ostrich Farm" bei einer kleinen Führung ausklingen und lernen, dass diese riesigen Vögel, die bis zu 120 kg wiegen können, ein Gehirn von nur 40 g haben und daher z.B. sofort vergessen, dass sie ein Ei gelegt haben, wenn man es ihnen weg nimmt. Beeindruckend sind sie trotzdem, wenn sie so knapp 2 Meter groß vor einem stehen.Beeindruckend sind auch die 80 cm großen schwarzen Paviane, die auf der Rückfahrt unseren Weg kreuzen. Nun verstehen wir wieso hier so viele riesige Warnschilder auf die BABOONS hinweisen, die wild animals, die man nicht füttern soll und die Autos vor ihnen geschlossen halten. Das machen wir und fotografieren von innen. Während es schon dunkel ist kehren wir zurück nach Bakoven und zwar auf einer der schönsten Küstenstraßen der Welt, dem Chapman's Peak Drive.Na gut, wir werden auch hierhin noch einmal wiederkehren müssen. Morgen. Darauf trinken wir heute Abend unseren Sebastiaan!🍷

Tina verlinken 19.7.16 19:11, kommentieren

20.7.16 Kap der guten Hoffnung - zweiter Versuch bei 11 Grad und 90 Grad Regen

Heute morgen starten wir wieder Richtung Süden gen Houte Bay. Dort geht's über den Chapman's Peak Drive und JA, der Ausblick auf die Buchten und Felsen ist sagenhaft. Wieder "verlieren" wir Zeit, denn ein picture point jagd den anderen. Über Noordhoek geht es wieder nach Fish Hoek und Simons Town - doch diesmal sind wir gegen 13 Uhr tatsächlich am Kap. Pünktlich zum Einsetzen eines sinnflutartigen Regens, der durch den starken Wind im 90 Grad Winkel auf uns einregnet. Die kurze Wanderung hoch zum Leuchtturm gestaltet sich immer wieder schwierig, denn der Wind weht uns förmlich vom Weg und oben angekommenen sind wir durch und durch nass. Aber der Ausblick belohnt uns: Das Kap ist von Brandungswellen umgeben und wir sind sehr froh, dass wir hier oben stehen und nicht im Wintersturm drumherum segeln müssen. Mit diesem Gefühl machen wir uns auf den Rückweg. Auf das Kap selber kommen wir bei diesem Wetter leider nicht. So bleibt uns das "Cape of good Hope" Foto leider verwehrt.Die Rückfahrt dauert weitere 2 Stunden, denn auch das Autofahren ist bei diesem Wetter nicht gerade einfach. Ich genieße das Beifahrerinnen-Leben ist und anschließend das trockene Hotelzimmer.

Tina verlinken 20.7.16 21:02, kommentieren

21.7.16. Townships of Cape Town: District Six, Langa, Gugulethu

Um 8.40 Uhr holt uns Konor von CAMISSA ab, einer Organisation "to discover the townships". Die Tour Guides kommen selber aus diesen Vierteln - und so fahren wir später an Konor's Haus in Langa vorbei.Doch zunächst stoppen wir in der Morgensonne im historischen District Six, der 1966 einplaniert und zum weißen Stadtgebiet erklärt wurde. Die Häuser der buntgemischten Gemeinde wurden abgerissen und ca. 50.000 Menschen gewaltsam vertrieben. Bis heute ist viel Brachland zu sehen, denn die Schwarzen weigerten sich nach ihrer Vertreibung dort Häuser für die Weißen zu errichten. Der Bau der Häuser, die heute dort zu sehen sind, begann 2003, neun Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid. 2004 übergab Nelson Mandela den greisen Rückkehrern den ersten Schlüssel. Doch viele wollten diesen Weg nicht mehr antreten, da sie in ihren Townships ihre Familie, ihre Freunde, ihr Zuhause hatten und "Ubuntu", eine Philosophie der Geschwisterlichkeit, Solidarität und Zusammengehörigkeit. Und so ist es auch heute noch, sagt Konor. Viele Schwarzen möchten gar nicht weg aus dieser Gemeinschaft. Kaum zu glauben, wenn man sich z.B. die Wellblechhütten in Langa ansieht, die an diesem Morgen noch ungastlicher zu sein scheinen als "normal". Denn die Regenfälle vom Vortag haben wohl ihren Weg in viele Hütten gefunden. Zunächst fahren wir und später gehen wir an solchen Unterkünften vorbei; kilometerlang. Ursprünglich sollten 8.000 Menschen hier wohnen. Heute sind es mehr als 50.000. Und es kommen täglich mehr, um Arbeit in Kapstadt zu suchen, denn die Arbeitslosigkeit im Land liegt bei 40%. Wenn die Neuankömmlinge nicht innerhalb von 48 Stunden von der Polizei wieder verbracht werden, dürfen sie bleiben. Und die meisten bleiben. In den Wellblechhütten ohne Strom (in vielen Fällen werden einfach die Oberleitungen angezapft, ein Grund warum die Townships unterhalb dieser Leitungen entstehen) und ohne fließendes Wasser. Das gibt es nur an den Zapfstellen. Natürlich kalt.Alternativ kommen die Menschen in staatlichen Hostels in anderen Bereichen der Townships unter. In Sammelunterkünften aus Backstein. Zu dritt oder mehr schlafen sie in einem Zimmer, mit 12-18 Bewohnern teilen Sie sich ein Bad mit fließendem kalten Wasser und eine Küche. Strom gibt es mit jeweils eigenem Zähler für jedes Zimmer und jedes Bett. Die Miete beträgt ca. 250 Rand pro Monat, also 15 Euro pro Bett. Ist man also nicht alleine, zahlt man mehrere Betten oder schläft nicht alleine in einem Bett. Das Durchschnittseinkommen der Schwarzen, die überhaupt einen registrierten Verdienst haben liegt bei ca. 2.300 Rand, also rund 150 Euro. Lebensmittel sind etwas günstiger als in Deutschland. Bis auf Milchprodukte.Die Hostels wirken wir die Arbeiterviertel im 19. Jahrhundert in Deutschland. Und sind wahrscheinlich ähnlich ausgestattet. Die Regierung versucht neue zu errichten, vor allem für Familien. Allerdings wollen die Menschen nicht zu weit von Kapstadt wegziehen, wohin sie zum Arbeiten in Minibussen fahren. Langa liegt bereits 30 km außerhalb.Unglaublich, dass die Schwarzen, die uns in der Stadt das Frühstück machen, die Zimmer säubern, den Hotelgarten pflegen, trotzdem immer pünktlich sind und trotz der hygienischen Engpässe immer top-gepflegt aussehen.Was wir in Langa ebenso sehen ist die Weiterentwicklung der Townships. Es gibt eigene oder gemietete Mini-Häuser aus Stein. Und in Relation richtig große Häuser. Wand an Wand mit den Wellblechhütten. Und teilweise auch schon mit Draht und "armed response" Schildern ausgerüstet. Gestern noch Nachbarn, heute schon potentielle Opfer.Wir gehen zu Fuß mit unserem Guide von einer Entwicklungsstufe zu anderen, stets beäugt von den Bewohnern von Langa. Doch ohne Übergriffe. Wir sind angehalten keine Fotos von Menschen ohne deren Zustimmung zu machen und das ist sicherlich auch nicht erwünscht. Viele Schwarze hängen auf der Straße vor ihren Hütten herum. Es gibt vieler "barber". Frisuren scheinen wichtig. Und dann gibt es Obstverkäuferinnen und den Verkauf von gebratenen Schafsköpfen für die Männer und Ältesten der Familie. Der Geruch des kokelnden Feuerholzes schwebt beißend zwischen den Hütten. Alles Schwarzarbeit, die allerdings nicht untersagt wird von der umherfahrenden Polizei, da es keinerlei Unterstützung für Arbeitslose gibt.Bis zum Mittag sind wir mit Konor unterwegs, der vor allem möchte, dass wir die Geschichte der Townships verstehen und die Menschen dort mit ihren Hoffnungen, Wünschen und Herausforderungen. Und nicht eine Art "Armutstour" machen, auf der wir abhaken, was wir alles gesehen haben.Natürlich ist es für uns eine Tour, aber es ist auch eine Erfahrung, die uns nah geht und uns einmal mehr bewußt macht, wie lange es dauert, eine Gesellschaft zu verändern. Ein Präsident allein und das Wahlrecht können da nur ein Anfang sein.

Tina verlinken 21.7.16 20:27, kommentieren

21.7.16 Robben Island

Am Nachmittag fahren wir bei Sonnenschein mit der Fähre nach Robben Island. Die Fahrt dauert ca. 45 Minuten und der Ausblick auf Kapstadt könnte schöner nicht sein....doch: der Tafelberg könnte sich zeigen. Tut er aber nicht, sondern verschanzt sich hinter einer Wolkenfront. Nur der Lion's Head strahlt majestätisch über der Stadt in der Sonne. Auch schön.Auf Robben Island angekommen, werden wir in Busse verfrachtet und über die Insel gekarrt. Das Areal ist wirklich groß. Und so gibt es ein ganzes ehemaliges Dorf mit Kirche und Schule für das Wachpersonal. Außerdem ein Konferenzzentrum der ehemaligen Präsidenten von Süd Afrika. Und den Steinbruch, in dem die politischen Häftlinge bis zu 10 Stunden am Tag arbeiten mußten.Die Busfahrt lässt keine wirklichen Eindrücke entstehen, da wir dicht an dicht sitzen und immer nur den Ausschnitt auf unserer Seite des Buses richtig sehen können.Zurück in der Nähe des Fähranlegers steigen wir endlich aus und gehen in das Hauptgefängnis. Hier empfängt uns Jabba. Er ist ca. 60 Jahre alt und erklärt uns mit ruhiger fast sonorer Stimme, wo welche Häftlinge untergebracht waren. Es gab Sammelzellen, die mit bis zu 40 Gefangenen belegt wurden. Und Einzelzellen von 2 mal 3 Meter für die politischen Führer. Bis Anfang der 80er Jahre schliefen die Gefangenen nicht auf Betten und Matratzen, sondern auf ganz einfachen dünnen Sisalmatten auf dem kalten und harten Beton. Jabba selber war fünf Jahre inhaftiert auf Robben Island. 1977 war er einer der Mitorganisatoren der Studentenproteste in Port Elisabeth und wurde dabei verhaftet. Robben Island war das einzige politische Gefängnis damals, so dass er wie auch die schwarzen politischen Aktivisten aus Johburg hierhin gebracht wurden. Nach seiner Haft war er zu alt, um weiter zu studieren.Jabba zeigt uns das ganze Gelände und am Ende die Zelle von Nelson Mandela, der hier 18 Jahre seiner insgesamt 27 Jahre Haft verbrachte. Die Autobiographie "Long way to freedom" entstand hier und wurde von Mandela in einem kleinen Stück Garten vergraben aus Angst, man könne das Manuskript konfiszieren. Als ein Mithäftling entlassen wird, schmuggelt Mandela sein Werk von der Insel.Das Gefängnis sieht heute aus wie damals. Es gibt fast keine Hinweistafeln oder Erklärungen. Nur durch die Worte von Jabba wird die Geschichte hier lebendig. Was passiert, wenn es solche Stimmen nicht mehr gibt? Wird man sich in diesem Land weiter erinnern und alle Menschen als gleich ansehen, unabhängig von ihrer Hautfarbe? Und werden sich die Chancen der Schwarzen weiter verbessern und über die kostenfreie Schulbildung hinaus auch ein Studium für Schwarze finanzierbar sein?Wir fahren mit der letzten Fähre zurück nach Kapstadt und legen an der lebendigen Waterfront an, wo die Weißen im Sonnenuntergang shoppen, was die Schwarzen als Verkäufer in den Geschäften anbieten. Wir fahren mit einem schwarzen Taxifahrer zurück nach Camps Bay, wo die Weißen hinter ihren Stacheldrahtzäunen wohnen. Wir gehen noch einmal zu Raj dem Inder essen, bei dem die Gäste aus allen Herren Länder kommen und auch ein Weißer als Kellner arbeitet. An diesem Abend sind wir unentschieden, wie es sich anfühlt, in ein Land mit solch großen sozialen Unterschieden zu reisen und ob wir eine solche Reise noch einmal machen würden. Ich würde.

2 Kommentare Tina verlinken 21.7.16 22:39, kommentieren