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24.7.16 Von De Kelders nach Wilderness durch die Weite des Western Capes

Nach einem Morgenwalk und einem weiteren Genussfrühstück müssen wir leider unser Zimmer in der Whalesong Lodge räumen. Nachdem das Gepäck bereits ins Auto verladen ist und wir uns von Stanley, der zum Einkaufen fährt, schon verabschiedet haben, setzen wir uns doch noch einmal in strahlenden Sonnenschein auf die Terrasse vor dem Wohnzimmer und greifen zum Fernglas des Hauses, denn die Nachbarn wollen Wale gesehen haben. Wir auch. Wenn auch weit entfernt. Trotzdem können wir uns nicht trennen und bekommen von den Ladies, die auch für das Frühstück zuständig sind, noch zwei Tassen Kaffee gebracht. Gegen 12.30 Uhr brechen wir dann aber doch auf....hoffentlich AUF WIEDERSEHEN!Auch mit den Walen. Wir fahren noch einmal in die andere Bucht von De Kelders und lassen uns zum Abschied noch einmal von einem mit seiner Seitenflosse zuwinken, bevor auch er abtaucht. Na gut, dann eben nun die 350 Kilometer bis Wilderness, den Beginn der Garden Route in East Cape. Der Weg dahin ist oft ganz einsam. Kilometer weit nichts als Felder und Weiden mit riesigen Schafherden. Am Horizont eine Bergkette und bis dahin hügelige Felder, Steppen, blühende Rapsfelder und Tierherden. Jede Farm liegt von der nächsten viele Kilometer entfernt und außer einer Art Raststätte, auf der man aber auch Möbel und Deko kaufen kann, liegt am Straßenrand kein Ort. Wir werden sehr ruhig und die 4-stündige Fahrt auf einer Art Bundesstraße kommt uns sehr lang vor.Gegen 17.30 Uhr sind wir dann endlich am Ziel: In Wilderness checken wir im Guesthouse Mes Amis bei einer älteren Lady ein. Das Anwesen wirkt etwas in die Jahre gekommen und dennoch werden wir noch bevor wir unsere Namen aufgeschrieben haben darauf hingewiesen, dass wir auf keinen Fall rauchen dürfen und sofort auf einem Zettel aufschreiben müssen, was wir aus der Minibar verzehren. Außerdem sollten wir nur die empfohlenen Restaurants in Wilderness aufsuchen! Auf keinen Fall ein anderes! Und das Frühstück endet Punkt 9.30 Uhr - dann schließt die Küche SOFORT! Ok, ok, wir haben verstanden und genießen trotzdem den Blick von unserer kleinen Terrasse aufs Meer, denn das Haus liegt direkt auf einer Düne, die steil ca. 50 Meter zum Strand abfällt. Die Aussicht entschädigt ein wenig für die "Einweisung" und die eisige Kälte im Zimmer. Zu kalt, um sich lange aufzuhalten. Wir fahren also zu den besagten empfohlenen Restaurants, von denen die Hälfte geschlossen hat. Alle Touristen (nicht mehr als ca 20 an der Zahl) scheinen sich beim örtlichen Italiener versammelt zu haben. Wir gesellen uns dazu. Pizza an der afrikanischen Küste - darauf wären wir wohl eigentlich nicht gekommen. Aber es ist warm im Restaurant. Das ist das, was zählt und woran wir anschließend auch in unserem Bett noch denken müssen, als wir uns mit dickem Pullover und Socken zum Schlafen legen. Winter am Kap!

1 Kommentar Tina am 24.7.16 22:25, kommentieren

23.7.16. Whale-watching und Genuss vom Morgen bis zum Abend

In der Whalesong Lodge gibt es Frühstück bis 10 Uhr. Also Zeit genug vorher Walken zu gehen. Immer an der Küste entlang. Ich treffe niemanden. Hier ist out of season und fast alle Häuser sind verschlossen. Kein Wunder, denn heute morgen gibt es wieder einen Regenschauer bei ca. 12 Grad Celsius während ich unterwegs bin. Wie schon bei meinen Morgenwalks in Camps Bay ist das eine kalte Angelegenheit, zaubert aber auch hier in De Kelders in der immer wiederkehrenden Morgensonne einen Regenbogen über das Meer.Als ich ziemlich nass in die Whalesong Lodge komme, sitzen die Eigentümer Lainy und Stanley bereits mit den anderen 4 Gästen beim Frühstück an der langen Tafel vor dem Fenster bei chilliger Musik. Es riecht verführerisch und ich werde von den beiden herzlich mit "take a hot shower" begrüßt. Das mache ich und als wir dann um 9.30 Uhr zum Frühstück runter kommen, haben wir die komplette Tafel für uns. Das Feuer prasselt im offenen Kamin und vor uns steht das köstlichst aussehende Frühstück. Pasten und Wurst, Marmeladen, unterschiedlichste Honigsorten (u.a. Pecanuss Honig - mein Favorit!), leckere frische Brote, Müsli und Rhabarber lachen uns an. Entweder selbst gemacht aus regional angebauten Zutaten oder aus lokaler Produktion wie uns Stanley erläutert. Er fragt auch nach unseren Plänen und unterstützt uns in der Idee, das Auto heute stehen zu lassen. Die Walbeobachtungsboote seien heute aufgrund heftigen Windes nicht rausgefahren und Wale könne man doch jetzt bereits dort hinten sehen....und in der Tat: ca. 3 km entfernt sieht man bewegtes Wasser und durch das Teleobjektiv die seitlichen Flossen einiger Wale. Faszinierend! Und so wird es den Tag über bleiben. Wir wandern bei strahlender Sonne den Klipgat Trail entlang und haben dabei dauernde Sicht auf die Wale, denen wir immer näher kommen. Ja, wir hören sogar ihre Geräusche, eine Art tiefes Stöhnen. Zwischenzeitlich gehen Regengüsse auf uns nieder und verziehen sich auch schnell wieder. Wir sind gut ausgerüstet oder stellen uns unter. Und bleiben bei den Walen. Erst am Nachmittag kehren wir zur Lodge zurück, sitzen in der Sonne bei Kaffee und cake of the day auf unserem Balkon als tatsächlich ein Wal genau an unserem Haus vorbei schwimmt! Keine 200 Meter liegen zwischen unserem Bett und dem Wal in der Abendsonne. We are so lucky! Und während ich noch einmal auf die Klippen gehe, joggt Bernhard auch noch eine Runde. Wir treffen uns im letzten Tageslicht in unserem traumhaften Zimmer. Während Bernhard die Badewanne mit Ausblick aufs Meer genießt, schlüpfe ich zum Schreiben in unser Bett mit Heizdecke. Beide genehmigen wir uns dazu ein Bier. Welch ein Genuss!Der setzt sich fort, als wir um 19.30 Uhr wieder ins Ess-/Wohnzimmer gehen. Stanley hatte uns angeboten, eine "plattern" zu bestellen. "Kalte Platte" sozusagen. Natürlich alles wieder selbst gemacht. Und so öffnen wir bei Salat, verschiedenen Käse- und Wurstsorten, Oliven, Birnen, Nüssen und dem leckeren Brot aus einer kleinen Bäckerei in Hermanus eine unserer Sebastiaan 2006 Flaschen von High Constantia. Wir haben scheinbar das ganze Haus für uns alleine und lassen den Abend am Kaminofen in den Sesseln sitzend bei relaxter Musik ausklingen. Ja, solch ein Haus hätten wir auch gerne. Es wirkt beruhigend auf die Seele.

Tina am 23.7.16 23:35, kommentieren

22.7.16. Von Kapstadt nach De Kelders an der Walküste

Heute verlassen wir Kapstadt. Noch ein letztes Omelette Chief Special und ein Pancake im Ocean View House und dann verabschieden wir uns von Kim an der Rezeption. Wir haben 200 Kilometer vor uns in Richtung Ostküste. Sonne und heftige Regenschauer wechseln sich ab. Die richtig guten picture points erreichen wir aber stets im Trockenen , so dass die Fahrt nicht 2,5 Stunden, sondern insgesamt 8 Stunden dauert. Vorbei an Sommerset West mit seinen 10.000 deutschen Rentnern, über Gordon's Bay mit dem großen Yachthafen, den Clawrence Drive entlang (kein Vergleich zum Chapman's Peak Drive, aber auch eines schöne Küstenstraße) nach Betty's Bay und Kleinmond bis Hermanus. Die Berge und Küsten sind aus Schichtsteinen, bewachsen mit niedrigen Koniferen und gelben Fynbos. Je nach Sonnenlicht schimmern die Berge daher mal grau, mal grün, mal bunt. Meist sind wir ganz alleine auf den weiten Straßen, die auch in dieser ländlichen Region immer wieder an Welchblechhüten-Arealen vorbei führen. Erst in Hermanus ist es wieder voller: Auch oder gerade im afrikanischen Winter ist hier Saison, da hier Glatt- und Buckelwale zur Paarung und Aufzucht der Jungen herkommen. Mal sehen. Zunächst schauen wir uns unseren ersten afrikanischen Supermarkt von innen an: Pick'n Pay. Außer der Tatsache, dass hier die Schwarzen nicht nur das Personal stellen, sondern auch 80% der Käufer, finden wir ein Sortiment, das fast an den Rewe bei uns in Köln um die Ecke erinnert. Bis auf das Biltong (dem Dörrfleisch in allen Varianten) und den Chocolate Mint Biscuits....die wir leider erst nach dem Kauf als solche identifizieren. Auch unser erster Liquor Shop bringt keine Überraschungen und so machen wir uns auf die letzten 30 Kilometer zur anderen Seite der Walker Bay nach De Kelders / Gansbaai. In der Abendsonne checken wir in der Whalesong Lodge ein. Und sind hin und weg. Bereits vom Eingang aus betreten wir das offene Ess- und Wohnzimmer für die Gäste, das durch einen Raumteiler, einen gläsernen Kaminofen und einem Regal optisch getrennt wird. Zum Meer hin liegt vor der gesamten gläsernen Front eine 2 Meter tiefe Terrasse mit Blick auf die Bay. Der lange Holztisch mit 8 Sitzplätzen für alle Gäste steht davor. Ebenso die Sessel auf der anderen Seite des Kamins. Aber alles mit viel Platz und viel Licht. Das Haus ist aus Beton, der geschmackvoll in unterschiedlichen Farben gestrichen ist und überall mit Holz kombiniert. Moderne afrikanische Musik ist gedämpft zu hören. In der Luft hängt der Duft von frisch gebackenem Kuchen. Gerne können wir uns später ein Stück vom cake of the day nehmen. Heute: Nusskuchen. Wie alles hier mit Zutaten aus ökologischem Anbau. Wir werden an der geschmackvollen Honesty Bar vorbei in die ebenfalls offene, aber nach hinten liegende Küche geführt. Ein Traum aus Holz und Metall, mit Gasofen und Regalen voller Lebensmittel in säuberlich beschrifteten Gläsern. Wir können uns hier Kaffee kochen und die Milch aus dem Kühlschrank nutzen, sagt uns die freundliche Schwarze, die uns anschließend unsere Suite zeigt. Ja, um den Meerblick voll uns ganz zu genießen, haben wir hier ein Upgrade gebucht und bereuen es keine Sekunde. Im Sonnenuntergang betreten wir das Zimmer und befinden uns in einem Raum mit 180 Grad Ausblick auf die Bucht. Alles ist licht und offen - auch das Bad. Und von der Toilette, der Dusche, der Wanne aus blickt man aufs Meer. Wir legen uns aufs Bett und können es kaum glauben. Ein Traum! Den wir genießen, bis ein heftiger Regenschauer, der uns zunächst noch gigantische Wolkengebilde beschert, einen grauen Schleier über das Bild legt und eine plötzliche Kälte mit sich bringt. Macht aber nichts. In dem riesigen Bett ist eine Heizdecke integriert.....herrlich! Zum Abendessen fahren wir 8 Minuten nach Gansbaai, auf Empfehlung unserer Lodge ins "Thyme at Rosemary", wo für uns ein Tisch reserviert ist. Zum Glück, denn dieses kleine nostalgisch im viktorianischen Stil eingerichtete Restaurant nimmt nur Gäste mit Reservierung auf. Wir fühlen uns in den Anfang des 20ten Jahrhunderts zurück versetzt. Natürlich auch durch die Tapeten, die aus vermeintlichen Zeitungen von 1915 / 1916 bestehen. Das Essen ist südafrikanisch und das Bobotie (Auflauf aus mit Käse überbackenem Hackfleisch und Rosinen auf Reis mit Chutney) ist ein Genuss! Nur der Nachtisch aus süßem Reis mit warmen Eischaum rundete das Ganze noch ab. Wow! Voller Begeisterung kehren wir in unser geschmackvolles Zimmer zurück und genießen unseren Urlaub. Unterschiedlicher könnten die Erlebnisse nicht sein!

1 Kommentar Tina am 22.7.16 23:30, kommentieren

21.7.16 Robben Island

Am Nachmittag fahren wir bei Sonnenschein mit der Fähre nach Robben Island. Die Fahrt dauert ca. 45 Minuten und der Ausblick auf Kapstadt könnte schöner nicht sein....doch: der Tafelberg könnte sich zeigen. Tut er aber nicht, sondern verschanzt sich hinter einer Wolkenfront. Nur der Lion's Head strahlt majestätisch über der Stadt in der Sonne. Auch schön.Auf Robben Island angekommen, werden wir in Busse verfrachtet und über die Insel gekarrt. Das Areal ist wirklich groß. Und so gibt es ein ganzes ehemaliges Dorf mit Kirche und Schule für das Wachpersonal. Außerdem ein Konferenzzentrum der ehemaligen Präsidenten von Süd Afrika. Und den Steinbruch, in dem die politischen Häftlinge bis zu 10 Stunden am Tag arbeiten mußten.Die Busfahrt lässt keine wirklichen Eindrücke entstehen, da wir dicht an dicht sitzen und immer nur den Ausschnitt auf unserer Seite des Buses richtig sehen können.Zurück in der Nähe des Fähranlegers steigen wir endlich aus und gehen in das Hauptgefängnis. Hier empfängt uns Jabba. Er ist ca. 60 Jahre alt und erklärt uns mit ruhiger fast sonorer Stimme, wo welche Häftlinge untergebracht waren. Es gab Sammelzellen, die mit bis zu 40 Gefangenen belegt wurden. Und Einzelzellen von 2 mal 3 Meter für die politischen Führer. Bis Anfang der 80er Jahre schliefen die Gefangenen nicht auf Betten und Matratzen, sondern auf ganz einfachen dünnen Sisalmatten auf dem kalten und harten Beton. Jabba selber war fünf Jahre inhaftiert auf Robben Island. 1977 war er einer der Mitorganisatoren der Studentenproteste in Port Elisabeth und wurde dabei verhaftet. Robben Island war das einzige politische Gefängnis damals, so dass er wie auch die schwarzen politischen Aktivisten aus Johburg hierhin gebracht wurden. Nach seiner Haft war er zu alt, um weiter zu studieren.Jabba zeigt uns das ganze Gelände und am Ende die Zelle von Nelson Mandela, der hier 18 Jahre seiner insgesamt 27 Jahre Haft verbrachte. Die Autobiographie "Long way to freedom" entstand hier und wurde von Mandela in einem kleinen Stück Garten vergraben aus Angst, man könne das Manuskript konfiszieren. Als ein Mithäftling entlassen wird, schmuggelt Mandela sein Werk von der Insel.Das Gefängnis sieht heute aus wie damals. Es gibt fast keine Hinweistafeln oder Erklärungen. Nur durch die Worte von Jabba wird die Geschichte hier lebendig. Was passiert, wenn es solche Stimmen nicht mehr gibt? Wird man sich in diesem Land weiter erinnern und alle Menschen als gleich ansehen, unabhängig von ihrer Hautfarbe? Und werden sich die Chancen der Schwarzen weiter verbessern und über die kostenfreie Schulbildung hinaus auch ein Studium für Schwarze finanzierbar sein?Wir fahren mit der letzten Fähre zurück nach Kapstadt und legen an der lebendigen Waterfront an, wo die Weißen im Sonnenuntergang shoppen, was die Schwarzen als Verkäufer in den Geschäften anbieten. Wir fahren mit einem schwarzen Taxifahrer zurück nach Camps Bay, wo die Weißen hinter ihren Stacheldrahtzäunen wohnen. Wir gehen noch einmal zu Raj dem Inder essen, bei dem die Gäste aus allen Herren Länder kommen und auch ein Weißer als Kellner arbeitet. An diesem Abend sind wir unentschieden, wie es sich anfühlt, in ein Land mit solch großen sozialen Unterschieden zu reisen und ob wir eine solche Reise noch einmal machen würden. Ich würde.

2 Kommentare Tina am 21.7.16 22:39, kommentieren

21.7.16. Townships of Cape Town: District Six, Langa, Gugulethu

Um 8.40 Uhr holt uns Konor von CAMISSA ab, einer Organisation "to discover the townships". Die Tour Guides kommen selber aus diesen Vierteln - und so fahren wir später an Konor's Haus in Langa vorbei.Doch zunächst stoppen wir in der Morgensonne im historischen District Six, der 1966 einplaniert und zum weißen Stadtgebiet erklärt wurde. Die Häuser der buntgemischten Gemeinde wurden abgerissen und ca. 50.000 Menschen gewaltsam vertrieben. Bis heute ist viel Brachland zu sehen, denn die Schwarzen weigerten sich nach ihrer Vertreibung dort Häuser für die Weißen zu errichten. Der Bau der Häuser, die heute dort zu sehen sind, begann 2003, neun Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid. 2004 übergab Nelson Mandela den greisen Rückkehrern den ersten Schlüssel. Doch viele wollten diesen Weg nicht mehr antreten, da sie in ihren Townships ihre Familie, ihre Freunde, ihr Zuhause hatten und "Ubuntu", eine Philosophie der Geschwisterlichkeit, Solidarität und Zusammengehörigkeit. Und so ist es auch heute noch, sagt Konor. Viele Schwarzen möchten gar nicht weg aus dieser Gemeinschaft. Kaum zu glauben, wenn man sich z.B. die Wellblechhütten in Langa ansieht, die an diesem Morgen noch ungastlicher zu sein scheinen als "normal". Denn die Regenfälle vom Vortag haben wohl ihren Weg in viele Hütten gefunden. Zunächst fahren wir und später gehen wir an solchen Unterkünften vorbei; kilometerlang. Ursprünglich sollten 8.000 Menschen hier wohnen. Heute sind es mehr als 50.000. Und es kommen täglich mehr, um Arbeit in Kapstadt zu suchen, denn die Arbeitslosigkeit im Land liegt bei 40%. Wenn die Neuankömmlinge nicht innerhalb von 48 Stunden von der Polizei wieder verbracht werden, dürfen sie bleiben. Und die meisten bleiben. In den Wellblechhütten ohne Strom (in vielen Fällen werden einfach die Oberleitungen angezapft, ein Grund warum die Townships unterhalb dieser Leitungen entstehen) und ohne fließendes Wasser. Das gibt es nur an den Zapfstellen. Natürlich kalt.Alternativ kommen die Menschen in staatlichen Hostels in anderen Bereichen der Townships unter. In Sammelunterkünften aus Backstein. Zu dritt oder mehr schlafen sie in einem Zimmer, mit 12-18 Bewohnern teilen Sie sich ein Bad mit fließendem kalten Wasser und eine Küche. Strom gibt es mit jeweils eigenem Zähler für jedes Zimmer und jedes Bett. Die Miete beträgt ca. 250 Rand pro Monat, also 15 Euro pro Bett. Ist man also nicht alleine, zahlt man mehrere Betten oder schläft nicht alleine in einem Bett. Das Durchschnittseinkommen der Schwarzen, die überhaupt einen registrierten Verdienst haben liegt bei ca. 2.300 Rand, also rund 150 Euro. Lebensmittel sind etwas günstiger als in Deutschland. Bis auf Milchprodukte.Die Hostels wirken wir die Arbeiterviertel im 19. Jahrhundert in Deutschland. Und sind wahrscheinlich ähnlich ausgestattet. Die Regierung versucht neue zu errichten, vor allem für Familien. Allerdings wollen die Menschen nicht zu weit von Kapstadt wegziehen, wohin sie zum Arbeiten in Minibussen fahren. Langa liegt bereits 30 km außerhalb.Unglaublich, dass die Schwarzen, die uns in der Stadt das Frühstück machen, die Zimmer säubern, den Hotelgarten pflegen, trotzdem immer pünktlich sind und trotz der hygienischen Engpässe immer top-gepflegt aussehen.Was wir in Langa ebenso sehen ist die Weiterentwicklung der Townships. Es gibt eigene oder gemietete Mini-Häuser aus Stein. Und in Relation richtig große Häuser. Wand an Wand mit den Wellblechhütten. Und teilweise auch schon mit Draht und "armed response" Schildern ausgerüstet. Gestern noch Nachbarn, heute schon potentielle Opfer.Wir gehen zu Fuß mit unserem Guide von einer Entwicklungsstufe zu anderen, stets beäugt von den Bewohnern von Langa. Doch ohne Übergriffe. Wir sind angehalten keine Fotos von Menschen ohne deren Zustimmung zu machen und das ist sicherlich auch nicht erwünscht. Viele Schwarze hängen auf der Straße vor ihren Hütten herum. Es gibt vieler "barber". Frisuren scheinen wichtig. Und dann gibt es Obstverkäuferinnen und den Verkauf von gebratenen Schafsköpfen für die Männer und Ältesten der Familie. Der Geruch des kokelnden Feuerholzes schwebt beißend zwischen den Hütten. Alles Schwarzarbeit, die allerdings nicht untersagt wird von der umherfahrenden Polizei, da es keinerlei Unterstützung für Arbeitslose gibt.Bis zum Mittag sind wir mit Konor unterwegs, der vor allem möchte, dass wir die Geschichte der Townships verstehen und die Menschen dort mit ihren Hoffnungen, Wünschen und Herausforderungen. Und nicht eine Art "Armutstour" machen, auf der wir abhaken, was wir alles gesehen haben.Natürlich ist es für uns eine Tour, aber es ist auch eine Erfahrung, die uns nah geht und uns einmal mehr bewußt macht, wie lange es dauert, eine Gesellschaft zu verändern. Ein Präsident allein und das Wahlrecht können da nur ein Anfang sein.

Tina am 21.7.16 20:27, kommentieren

20.7.16 Kap der guten Hoffnung - zweiter Versuch bei 11 Grad und 90 Grad Regen

Heute morgen starten wir wieder Richtung Süden gen Houte Bay. Dort geht's über den Chapman's Peak Drive und JA, der Ausblick auf die Buchten und Felsen ist sagenhaft. Wieder "verlieren" wir Zeit, denn ein picture point jagd den anderen. Über Noordhoek geht es wieder nach Fish Hoek und Simons Town - doch diesmal sind wir gegen 13 Uhr tatsächlich am Kap. Pünktlich zum Einsetzen eines sinnflutartigen Regens, der durch den starken Wind im 90 Grad Winkel auf uns einregnet. Die kurze Wanderung hoch zum Leuchtturm gestaltet sich immer wieder schwierig, denn der Wind weht uns förmlich vom Weg und oben angekommenen sind wir durch und durch nass. Aber der Ausblick belohnt uns: Das Kap ist von Brandungswellen umgeben und wir sind sehr froh, dass wir hier oben stehen und nicht im Wintersturm drumherum segeln müssen. Mit diesem Gefühl machen wir uns auf den Rückweg. Auf das Kap selber kommen wir bei diesem Wetter leider nicht. So bleibt uns das "Cape of good Hope" Foto leider verwehrt.Die Rückfahrt dauert weitere 2 Stunden, denn auch das Autofahren ist bei diesem Wetter nicht gerade einfach. Ich genieße das Beifahrerinnen-Leben ist und anschließend das trockene Hotelzimmer.

Tina am 20.7.16 21:02, kommentieren

19.7.16 Die Kaphalbinsel - heute ohne Kap aber mit Sebastiaan

Nach einem ausführlichen Frühstück machen wir uns auf den Weg, die Kaphalbinsel zu erkunden. Wir starten mit den Weingütern Constantia - und bleiben auf High Constantia hängen. Bei einer Weinprobe um 12 Uhr mittags und dem Kauf des Weines "Sebastiaan", der wirklich ein Highlight ist und in Europa einen Preis in der Kategorie Bordeaux gewonnen hat - was uns erst nach unserem Kauf verraten wird. Das Weingut übt sich in understatement und kommt bei den Besuchern scheinbar zu kurz, da es neben DEM bekannten Gut Groot Constantia liegt. Wir sind die einzigen Gäste und bekommen die volle Aufmerksamkeit der weiblichen schwarzen Sommelière. Anschließend müssen wir erst mal in einem nahe gelegenen Café bei einem Americano ausnüchtern.....schließlich soll es mit dem Auto noch über die ganze Halbinsel gehen.Als es endlich am frühen Nachmittag weiter geht ist der Himmel grau, es regnet immer mal wieder bei 15 Grad. Winter in Südafrika. So fahren wir auf dem Boys Drive, der Bergstrecke, an den bekanntesten Stränden vorbei: Muizenberg, St. James. Das Grau des Himmels und des Meeres lässt die bunten Strandhüttchen allerdings nicht so zur Geltung komme, wie es die Fotos in allen Reiseführern zeigen. Sehr schade. In Fish Hoek lugt die Sonne dann doch durch die Wolken und die Hai-Warnschilder kommen dagegen sehr gut zur Geltung....dabei soll es hier ein Hai-Netz geben....aber bei 15 Grad Außentemperatur ist das auch egal.Das Wetter hält bis Simon Town, wo wir am Boulder Beach die Kolonie der Afrikanischen Pinguine besuchen. Und die machen richtig gute Laune: Sie watscheln dahin, fallen über kleine Hindernisse, rappeln sich auf und weiter geht's; gerne auch ins Wasser, dort wird dann geplantscht. Es ist ein Spaß zuzuschauen.Dennoch ist bei mir anschließend erst mal die Luft raus: Der mittägliche Wein zeigt Nachwirkung. Zum Glück gibt es das kleine Café Penguino, in dem es köstliche Sandwiches gibt, während der Wind, der erneut aufgefrischt ist, ums Häuschen heult.So vergeht die Zeit und "ganz plötzlich" ist es 16.30 Uhr und zu spät, um noch bis zum Kap zu fahren, denn der Nationalpark schließt um 17 Uhr. Hm, der Plan ist für heute also nicht aufgegangen. Wir brauchen einen zweiten Anlauf. Den heutigenTag lassen wir auf der Straußenfarm "Cape Point Ostrich Farm" bei einer kleinen Führung ausklingen und lernen, dass diese riesigen Vögel, die bis zu 120 kg wiegen können, ein Gehirn von nur 40 g haben und daher z.B. sofort vergessen, dass sie ein Ei gelegt haben, wenn man es ihnen weg nimmt. Beeindruckend sind sie trotzdem, wenn sie so knapp 2 Meter groß vor einem stehen.Beeindruckend sind auch die 80 cm großen schwarzen Paviane, die auf der Rückfahrt unseren Weg kreuzen. Nun verstehen wir wieso hier so viele riesige Warnschilder auf die BABOONS hinweisen, die wild animals, die man nicht füttern soll und die Autos vor ihnen geschlossen halten. Das machen wir und fotografieren von innen. Während es schon dunkel ist kehren wir zurück nach Bakoven und zwar auf einer der schönsten Küstenstraßen der Welt, dem Chapman's Peak Drive.Na gut, wir werden auch hierhin noch einmal wiederkehren müssen. Morgen. Darauf trinken wir heute Abend unseren Sebastiaan!🍷

Tina am 19.7.16 19:11, kommentieren