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31.07.16 Vom Kruger Park in den Balule Park zum ersten Game Drive mit Löwe, Elefanten und Giraffe

Heute stehen wieder 250 km auf dem Programm, um vom Kruger Park in das angrenzende Balule Private Reserve im Westen des Kruger Parks zu gelangen. Dieses Reserve und die Lodge hatte ich selber ausgewählt und bei der Travel Agency um Buchung gebeten. Warum wir dann aber die Nacht vorher ins La Kruger gebucht wurden, will mir heute noch weniger einleuchten als gestern, denn wir fahren exakt die knapp 100 km zurück, die wir gestern gekommen sind. Sehr viel Fahrerei, um eine Nacht in einer bestimmten Lodge zu verbringen....na, ja: Wir starten wieder früh um 8 Uhr, da wir zur Mittagszeit bereits in Balule sein sollen.Wieder am Flughafen vorbei geht es also 150 km in die andere Richtung über Whiterivier nach Hoedspruit. Wir kommen durch viele kleine Orte, in denen ausschließlich Schwarze auf der Straße zu sehen sind. Und heute haben sich alle sehr sehr schick gemacht. Denn es ist Sonntag und viele gehen wohl in die Kirche. Wie immer werden die Seitenstreifen der Bundesstraße als Fahrbahn genutzt, um überholende Fahrzeuge rechts vorbei zu lassen. Doch heute sind sehr viele Fußgänger ebenfalls dort unterwegs. Allerdings alle sind wie immer sehr relaxed und es passiert niemandem etwas. Erst als wir die letzten ca. 40 Kilometer am Westzaun der private reserves, die im Osten in den Kruger Park übergehen, entlang fahren, entdecken wir sehr viele Kreuze, die scheinbar jeweils für einen Toten am Straßenrand stehen. Fast gleichzeitig sehen wir riesige Wildschweine am Straßenrand grasen oder laufen und zwar direkt an der Straße und nicht etwa hinter dem Zaun. Teilweise haben sie imposante Hauer und sehen nicht aus, als sei mit ihnen zu spaßen. Ob die Kreuze in irgendeinem Zusammenhang stehen? Während wir darüber nachgrübeln sehen wir unsere erste Giraffe - diesmal aber hinter dem Zaun. Sie läßt sich zunächst in aller Ruhe fotografieren, tritt aber die Flucht an, als Bernhard das Auto verlässt. Für uns in einem unerwartet schnellen Galopp quer durch die Büsche. Also fahren wir auch die letzten Kilometer zum Balule West Gate weiter, das wir als Einfahrt in den Park nutzen.Von hier aus geht es nun noch einige Kilometer über eine Sandpiste, die unserem Auto nicht besonders gut liegt. Aber heute haben wir uns bereits daran gewöhnt und die Fahrt fühlt sich an, wie ein erster Game Drive. Aussteigen ist unterwegs nicht erlaubt, aber auch nicht nötig, denn schon taucht keine 10 Meter von uns entfernt die nächste Giraffe auf. Ohne Zaun! Wir sind begeistert und und ganz konzentriert auf die nächsten "encounters", wie solche Tierbegegnungen heißen. Wir fahren weiter. Überall liegen riesige, ziemlich frisch aussehende "Kackehaufen" auf unserem Weg sowie links und rechts davon. Welche Tiere haben die hinterlassen? Und wo sind die jetzt?Diese Frage treibt uns immer noch um, als wir gegen 14 Uhr in der Toro Yaka Lodge ankommen. Wir werden bereits von Nicole und einigen schwarzen Ladies erwartet. Das Gate hat unsere Ankunft angekündigt. Wir stellen uns alle gegenseitig vor und werden dann in die wundervollen Räumlichkeiten des Haupthauses mit offenem Kamin und anschließend in unser Zimmer eingewiesen. Es ist eins von 6 Zimmern, die in der Nähe eines kleinen Pools liegen. Unseres ist das Elefantenzimmer. Es hat ein offenes Bad, eine abgeschlossene Toilette, eine zusätzliche Außendusche mit Fenstern ins "wildlife" und eine eigene Terrasse mit Blick auf ein kleines Wasserloch. Auch der Blick aus dem durch Moskitonetze verhangenen Himmelbett geht auf dieses Wasserloch hinaus. Die Einrichtung ist einfach und super geschmackvoll und wir fühlen uns vom ersten Moment sehr wohl. Dazu trägt auch die offene und gastfreundliche Atmosphäre bei, die u.a. dadurch unterstützt wird, dass die Gäste kurz einander vorgestellt werden: Julie und Jennifer, die Schwestern aus California und Walter, Lourdes und Maria aus Madrid (wobei er aus Mannheim kommt und Maria, die Tochter, zweisprachig aufgewachsen ist), sind neben uns die anderen Gäste. Insgesamt gibt es 6 Zimmer und 12 Betten. Nicht mehr. Auch Andrew aus UK stellt sich uns vor. Er ist Student der Zoologie und für 6 Monate als Freiwilliger hier für ein Praktikum. Wir unterschreiben noch, dass wir uns nicht außerhalb des Geländes der Lodge aufhalten werden und nachts auch nicht auf dem Gelände, denn einen Zaun gibt es nicht. Und es gab bereits Gäste, die einen Löwen aus dem Badezimmer-Fenster gesehen haben. Ok, wir werden drin bleiben und höchstens nachts auf unserer Terrasse sitzen. Aber das sei save!Beim Lunch bekommen wir eine erste Idee von den Kochkünsten Nicole's: delicious! Wir haben hier in der Wildnis Vollpension und sollen uns nicht bewegen. Ja, die Hose kneift bereits!Nach dem Lunch bleibt gerade noch Zeit zu checken, ob der Akku der Kamera auch wirklich geladen ist, denn um 15.30 Uhr werden wir mit Steve und Herbert bekannt gemacht. Steve ist zusammen mit Nicole seit 10 Jahren der Eigentümer von Toro Yaka und unser Wildführer, der den offenen Geländewagen fährt. Herbert wird vorne auf auf einem speziellen Sitz über der Stoßstange Platz nehmen und als Tracker nach Fährten Ausschau halten. Wir sollen auf keinen Fall unterwegs aufstehen und nicht aussteigen und darauf achten, dass wir keine Äste oder Dornen ins Gesicht oder an den Kopf bekommen. Alles klar?!Wir fahren mit gutem Tempo über die Sandwege und halten zunächst mit Blick auf ein paar Impalas, die hier am häufigsten vorkommenden Antilopenart, die als Nahrung für viele andere Tiere dient und deren Lebenserwartung daher bei nur 4 Jahren liegt.Keine 5 Minuten später sehen wir unsere ersten Kudus. Diese Antilopen haben ein Rückenmaß von 1,60 m und eine wahnsinnige Sprungkraft, die wir auch gleich bewundern können, als die 3 Tiere über alle Büsche vor uns davon springen. Steve erklärt, dass die Antilopenherden hier in den Parks meist maximal 10 Tiere groß sind, da es hier keine Savannen gibt, wie in der Serengeti, sondern überall Büsche und Bäume stehen und es somit nicht so viel Platz für große Herden gibt. Wir bekommen auf eine angenehme Art sehr viel Wissen über die Tiere und die Situation hier vermittelt und sind begeistert. Natürlich noch mehr als uns Steve als nächstes zu einem mächtigen männlichen Löwen fährt. Unglaublich. Und auch hier kein alltägliches Erlebnis. Aber den Löwen hatten Steve und die anderen Ranger bereits am Morgen entdeckt. Er hat einen Baby-Büffel gerissen, dessen Reste wie auch noch sehen, und wird nun so lange bleiben, bis er alles aufgefressen hat. Zur Zeit liegt er erschöpft vom Fressen im Staub und wirft uns und dem anderen Geländewagen, der hinzu kommt, nur gelangweilte Blicke zu. Wir sind wirklich überwältigt. Ein toller Moment! Der uns auch zeigt, wie sehr die Tiere an die doch sehr lauten und großen Autos gewöhnt sind. Steve erläutert uns, dass die Tiere die Erfahrung gemacht haben, dass die Wagen ihnen bisher nichts getan oder ihnen etwas weggenommen hätten. Würde einer von uns aussteigen, würde uns der Löwe sofort reißen oder - wenn wir weiter weg wären - aus Angst davon laufen. Wir steigen also nicht aus, sondern bewundern dieses große Tier, dass zwischenzeitlich aufsteht, um den Ort etwas zu wechseln, und dabei seinen durchtrainierten Körper zur Schau stellt. Wir sind beeindruckt. Nach 30 Minuten fahren wir trotzdem weiter. Es geht eine ganze Zeit durch den Busch über Stock und Stein. Bis Steve kurz anhält, aussteigt und mit den Händen einen Haufen der riesigen "Kacke" auseinander schiebt, um die Temperatur zu prüfen. Noch warm. Die Verursacher sind Elefanten, erklärt uns Steve, und die können noch nicht weit sein. Genau. 5 Minuten später stehen wir neben 3 jungen Elefanten-Bullen. Alle sind mit Fressen beschäftigt und lassen sich nicht von uns stören. Schließlich verdauen sie spätestens alle 45 Minuten und wie wir sehen konnten, ist ihre Kacke nicht sehr zersetzt. Sie müssen also ständig für Nachschub sorgen, ca. 18 Stunden am Tag. Zwischendurch schlafen sie zwei- oder dreimal für 20 Minuten. Nicht mehr. Für uns am spannendsten ist zu sehen, wie sie mit dem Kopf ganze Bäume nieder stoßen, dann mit dem Rüssel geschickt erst alles, was ein bisschen frisch zwischen den Wurzeln ist, heraus reißen und fressen (denn schließlich ist gerade Winter und alles ist trocken und ohne Blätter) und schließlich alle trockenen Äste und Zweige. Es knackt und kracht ganz schön!Voller Eindrücke geht es danach weiter zum Sundowner. Wir stehen etwas erhöht, dürfen den Wagen verlassen und bekommen von Herbert den Drink serviert, den wir vorher bestellen dürften: A Castle for Bernhard and myself, please.Dekadent? Eigentlich schon. Wir genießen es "trotzdem".Und steigen für eine weitere Stunde auf den Wagen. Kurz bevor es dunkel wird, kommen wir an zwei Giraffen vorbei, die uns erneut mit ihrem Galopp begeistern. Dann ist es komplett dunkel. Herbert hat einen Scheinwerfer in der Hand und leuchtet damit die Umgebung ab. Steve ist mit dem gleichen Tempo wie bei Tageslicht unterwegs und wir ducken uns so gut es geht unter den Ästen hinweg.Noch einmal geht es zum Löwen, der anders als heute Nachmittag, ziemlich aktiv ist: Er knackt ein Stück nach dem anderen vom kleinen Büffel ab und frisst ihn, erklärt Steve, mit Fell, Hörnern, Zähnen, Hufen. Das Fell rund um sein Maul ist ganz blutig und immer wieder steht er auf, um sich den Büffel anders - mundgerecht - zurecht zu legen. Wir beobachten ihn keine 10 Meter von uns entfernt eine weitere halbe Stunde im Scheinwerferlicht, das ihn scheinbar so gar nicht irritiert. Was für ein Erlebnis.Begeistert kommen wir zurück zur Lodge, wo wir erneut von Nicole und den anderen empfangen werden. Sie informiert uns, dass es in 20 Minuten Abendessen gibt. Also nur kurz frisch machen und anschließend sitzen wir mit der gesamten Gruppe an einer langen Tafel, die stilvoll eingedeckt ist. Das Essen ist vorzüglich und Steve erzählt noch ein paar seiner Erlebnisse als Ranger. Er ist mit mehr als 20 Jahren Erfahrung gesegnet und es macht Spaß, ihm zuzuhören.Auch darüber, dass hier in Balule keine Malaria Gefahr herrsche, da es keine angesteckten Menschen gebe, von denen die Mücken die Krankheit empfangen können, um sie dann weiter zu geben, berichtet er. Denn er wisse, dass die Malaria-Medikamente oft durch starke Nebenwirkungen die Gäste beeinflusse......Bernhard geht es seit zwei Tagen nicht so gut, Magenschmerzen und Gliederschmerzen.....vielleicht sollte er doch das Malarone absetzen? Wir haben noch keine einzige Mücke gesehen.....auch hier ist Winter!

2 Kommentare Tina am 31.8.16 23:22, kommentieren

30.7.16. Flug von Kapstadt nach Nelspruit und von dort in den Kruger Park: Jetzt wirklich Afrika!

Bereits um 6 Uhr fahren wir heute zum Flughafen nach Kapstadt. Es ist noch dunkel und die Fahrt daher eher anstrengend, denn natürlich gibt es keine Straßenbeleuchtung und unser Weg geht durch ländliche Gebiete und immer wieder gehen Schwarze am Straßenrand zu Fuß, die immer erst in der letzten Minute aus dem Auto zu erkennen sind. Ganz schön gefährlich! Auch auf der Autobahn, die wir für die letzten 20 Minuten nehmen, sind viele Fußgänger unterwegs. Das scheint erlaubt und natürlich der schnellste Weg. Dass auch das Kreuzen der Autobahn erlaubt ist, kann ich mir nicht vorstellen. Wir erleben es im Dunklen trotzdem und sind froh, das Auto heil am Flughafen abzugeben und beim Sonnenaufgang einzuchecken.Hier gehen unsere ersten zwei Wochen Südafrika zu Ende. Voller Widersprüche für uns: Mit dem Gefühl der Begeisterung, all die Tiere und Landschaften und historischen Städte gesehen zu haben, aber auch mit der Gewissheit, dieselbe Begeisterung für das immer noch begrenzte Miteinander von Schwarz und Weiß mehr als 10 Jahre nach Ende der Apartheid leider nicht erleben zu können. Für uns sind die Gegensätze noch immer zu groß!Vom kleinen 50 Plätze Flugzeug aus sehen wir noch einmal den Tafelberg, den Lion's Head, die false bay, überfliegen Franschhoek und sehen unterwegs ein ganzes schneebedecktes Bergmassiv neben den braunen Steppen liegen.In Nelspruit gelandet, nehmen wir bereits um 13 Uhr bei nun bestimmt 23 Grad Celsius einen kleinen Honda entgegen. Schin beim Heraustreten aus dem Flughafen fühlt es sich an, als wären wir nun wirklich in Afrika. Die Sonne brennt gerade zu und die Luft ist staubig. An der Straße entlang stehen Hütten. Weit auseinander, aber noch stärker aus Materialien zusammen gebaut, die wohl irgendwo zu finden waren. Viehherden mit sehr knochigen hellgrauen Rindern werden neben der Straße mit Stöcken her getrieben. Die Treiber laufen barfuß. In einem der drei größeren Orte, die auf unserem Weg liegen, halten wir bei einem SUPERSPAR. Er führt das gleiche Zeichen als Logo wie in Deutschland, ist aber mit der Bezeichnung SUPER dann immer so groß wie in Köln ein HIT oder REWE. Auch der Parkplatz ist riesig und alles ist voller Menschen. Diesmal ausschließlich Schwarze. Wir fühlen uns zum ersten Mal so richtig fremd. Und bekommen nun Afrika live. Hier werden wir nicht als Touries bedient, sondern müssen uns wie alle anderen den Weg mit dem Einkaufswagen hart erkämpfen an diesem Samstagnachmittag, an dem scheinbar Einkaufszeit ist. Die meisten tragen ein "afrikanisches Gesicht" zu Schau: möglichst gelangweilt und möglichst abweisend. Es fühlt sich nicht an, als sei man hier willkommen, egal ob schwarz oder weiß. Erst als ich die Menschen aktiv anlächele, verändert sich manchmal etwas in ihren Gesichtern. An den Kassen bilden sich irre lange Schlangen, denn die Kassiererinnen scheinen sehr sehr viel Zeit zu haben....und alle anderen auch. Nur wir Urlauber aus Deutschland zumindest gefühlt nicht! 😳 Auf der Weiterfahrt stellen wir fest, dass die Travel Agency - als sie uns mitteilte, dass wir hier nur einen Kleinwagen bekommen können - vielleicht hätte erwähnen sollen, dass dieser für die Parks nicht so geeignet erscheint. Wir fahren nach ca. 80 Km am Marloth Gate in den Kruger Park und können dort mit maximal 10 Km/h über die staubige rote unbefestigte Straße mit den tiefen Schlaglöchern fahren. Für die angekündigten 3,5 km benötigen wir also gute 20 Minuten und haben bereits jetzt das Gefühl, dass die Fahrt dem Wagen nicht besonders gut tut....Die nächsten 7 km im Park sind seltsamer Weise wieder asphaltiert. Nur die letzten 1,5 km sind voller tiefer ausgewaschener Löcher, die wir im Regen nicht meistern könnten. Aber geregnet hat es sei Monate nicht, erfahren wir auf der La Kruger Lifestyle Lodge, auf der wir eine Nacht verbringen werden. Wir wohnen in einem strohgedeckten Charlet in einer durch Holzstege verbundenen Anlage, in der ein kleiner Pool mit einem kleinen Wasserlauf vor sich hinplätschert. Alles sehr gediegen und wirklich schön. Das nächste Haus liegt mindestens einen Kilometer entfernt. Zwei Antilopenfamilien wohnen hier im Busch. Außerdem drei kleine Äffchen, die zur Zeit aber immer wieder durch einen Waschbären vertrieben werden, werden wir von Teresia eingewiesen.Wir verbringen den Sonnenuntergang auf unserer Terrasse im Vogelgezwitscher und sind ganz schön kaputt durch die kurze Nacht in Franschhoek. So werd wir uns (leider) nicht zu einer Nachtsafari im Kruger Park anmelden, sondern bis morgen in unserem Private Reserve warten, wo wir uns schon angemeldet haben. Heute genießen wir die Stille und die paar Stunden Nichts-Tun. Und haben bei Anbruch der Dunkelheit das Glück, den einen Antilopen-Vater mit dem Kitz zu sehen, keine 5 Meter entfernt. Und über unser Dach kommen die kleinen Affen in einem rasanten Tempo gelaufen und springen vor uns in die Bäume. Es gibt viele Tiergeräusche, die ich überhaupt nicht zuordnen kann. Unter anderem eine Art Bellen. Kommt das wirklich von den Antilopen?Google meint "ja"!Dann sehen wir die ersten Sterne am afrikanischen Himmel über dieser noch vollkommenen Dunkelheit. Wie das sprichwörtliche Zelt, das sich bis an den Horizont zieht. Wunderschön. Afrika.

Tina am 30.7.16 23:56, kommentieren

29.7.16 Chillen auf Rosendal und Fahrt zur letzten Station in Western Cape: Franschhoek

In Rosendal wird endlich wieder das Frühstück bis 10 Uhr ermöglicht. Spät genug, um vorher eine Runde zu walken. Bei den Damen, die das Frühstück bereiten, erkundige ich mich nach einer Empfehlung für eine mögliche Strecke durch die Weinberge. Mir wird begeistert erzählt, dass höher am Berg eine Schule sei und außerdem "there is a lot going on around here". Es sei also überhaupt kein Problem, wenn ich dort laufen gehe. Zur Schule gelange ich in 2 Minuten. Die ist das zweite Haus neben unserer Winery hier an der Straße. Darüber hinaus gibt es noch zwei kleine Häuschen, die von schwarzen Familien bewohnt werden. Anschließend kilometerweit nichts, bis zum nächsten Wine Estate. Yep, here is wirklich viel going on....Macht aber nichts. Am Himmel gibt es immer wieder blaue Öffnungen, die Luft ist klar und in den Weinbergen arbeiten schwarze Frauen und Männer, die freundlich grüßen.Die Struktur hier auf dem Land scheint etwas anders zu sein. Statt riesiger Townships wohnen die schwarzen Landarbeiter in relativ großen (ca 5 mal 3 Meter Grundfläche) gemauerten Häuschen mir Solarzelle auf dem Dach und einem kleinen Grundstück drum herum. Scheinbar auf dem Grund und Boden des Estates. Das sieht ganz nett aus, setzt aber eben voraus, dass man in den Weinbergen arbeitet und daher weit weit weg von der nächsten Kleinstadt wohnt. Und auch der Weg zu den Schulen scheint viele Kilometer weit. Ab 6 Jahre können alle Kinder kostenfrei in die Schule gehen. Allerdings herrscht keine Schulpflicht, was sich sicherlich in dieser Region nicht besonders positiv auf die Schulbesuche auswirkt.Zum Frühstück bin ich wieder in Rosendal. Immer noch sind keine anderen Gäste angekommen und so können wir unseren Aufenthalt bis 13 Uhr verlängern. Da wir den Tag vorher bis zur Dunkelheit gefahren sind, können wir so das schöne Anwesen dich noch genießen und unseren Koffer umpacken. Ein paar Einkäufe sind hinzu gekommen und morgen steht der Flug nach Nelspruit am Krüger Park an. Und in Franschhoek, unserer letzten Station, die wir heute anfahren werden, soll unser Hotelzimmer sehr sehr klein sein, informiert uns Tripadvisor.Wir genießen daher unsere Zeit auf der Veranda bei einem letzten Kaffee. Wobei sich der Genuss eines solchen Luxus in Europa sicherlich noch schöner anfühlen würde. Hier in Südafrika ist uns stets bewusst, dass ca 90% der Einwohner in ihrem ganzen Leben auf gar keinen Fall auch nur ein einziges Mal in einer solchen Umgebung so einen Kaffee trinken werden können und das, weil sie schwarz oder coloured sind. Und das begrenzt unsere Begeisterung und würde uns zu einem solchen Genuss nicht noch einmal in dieses Land führen.Aber noch liegt die letzte Etappe hier in Western Cape vor uns: 170 Kilometer durch die Weinregion über Robertson und den Franschhoek Pass nach Franschhoek. Die Aussicht ist bei sonnigen 18 Grad fantastisch und die Berge und Täler haben gigantische Ausmaße. Doch anders als South Tyrol!Schließlich fahren wir um 16.30 Uhr in Franschhoek in den Ort. Mit 4.000 Einwohnern sehr übersichtlich. Fast alle Häuser sind historisch aus dem 19. Jahrhundert und liebevoll restauriert. Im Hintergrund sind immer die Drakensteinberge zu sehen, was dem Ort eine traumhafte Kulisse verleiht. Auch unser Hotel " Centre Ville" ist von außen sehr schnuckelig, wie es in der Sonne liegt. Wir werden sehr freundlich von den Besitzern, einem älteren Ehepaar, begrüßt und in das Zimmer PASSION geführt. Das hört sich leider leidenschaftlicher an, als es aussieht. Die Stimmen auf Tripadvisor sollen leider recht behalten: Das Zimmer liegt im ausgebauten Dachstuhl und hat eine Raumhöhe von ca 1,80 m. Gut, dass wir eher zu "den Kleinen" gehören. Das lässt uns allerdings dem 1950 Design des Teppichs und der Stühle etwas näher sein oder dem Spa, der Badewanne, die mitten im Raum steht und uns als Dusche dienen wird. "Careful! You might splash the warter to the whole room!" Vielen Dank für die Warnung! Na, wie werden morgen früh um 5 Uhr aufstehen, um pünktlich zum Flughafen in Kapstadt zu kommen, so dass das Zimmer keine Rolle mehr spielen wird.Heute gehen wir noch schnell in der letzten Abendsonne durch das Städtchen. Alles ist malerisch und wirkt sehr gut situiert. Den Hugenotten wurde ein riesiges Denkmal gesetzt, da sie sich in dieser Region nieder gelassen haben und den Ort aufgebaut. Die Geschäfte schließen auch hier um 17 Uhr, nur auf dem kleinen afrikanischen Markt werden gerade noch die Waren weg geräumt. Chance genug, auch hier nach einem Amulett des Sambesi Flussgottes zu fragen. Nein, gibt's hier nicht....kennt man nicht...dann plötzlich:"Ah!!!! Njaminjami!!!! Yeah! Sure we know. A really strong meaning! The njaminjami is always protecting his people! We have tomorrow. Come back!" Oh Mann, jetzt sind wir so nah dran und haben doch keine Chance, denn morgen um 10 Uhr sitzen wir schon im Flieger nach Nelspruit. Schade! Woher kennt dieser Mann den Gott und wieso kennen ihn die anderen nicht? Er kommt aus Sambia, stellt sich heraus. Und weil dort keine Touristen mehr hinkommen, bringt er die Waren hier nach Südafrika. "Really strong God!", betont er nochmals und beschreibt uns, dass wir von ihm den njaminjami als Steinskulptur in ca 60 cm Höhe hätten bekommen können, passend zur Stärke des Gottes. Leider aber nicht passend für unseren Zeiplan UND unser erlaubtes Gepäck. Tja, vielleicht bekommen wir ein Amulette ja noch woanders.Heute gibt es für uns noch einmal Bobotie , das wir sehr zur Verwunderung unseres weißen Hotelbesitzers dessen Empfehlungen anderer eher europäischer Restaurants und Gerichte bei "Kalfi" bestellen, DEM südafrikanisches Restaurant an der Hauptstraße im Ort. Gleich neben dem Supermarkt liegt die Außenterrasse, auf der wir uns als einzige Gäste niederlassen. Und die vielen Pritschenwagen beobachten, die vor uns halten. Auf der offenen Ladefläche sitzen bis zu 10 Schwarze und fahren scheinbar von der Arbeit nach Hause - mit Zwischenstopp zum Lebensmittelkauf. Es ist inzwischen wieder richtig kalt geworden und die Vorstellung, bei nun 10 bis 12 Grad Celsius in ein Township ohne Strom und warmes Wasser zu fahren, lässt uns etwas beschämt unser Bier trinken in der Gewissheit, später einen Platz am offenen Kamin des Restaurants reserviert zu haben.Warm ist es später auch in unserem Hotelzimmer. Allerdings um den Preis, dass die Abgase des offenen Kamins in unsere Dachluke reinsehen...es wird eine kurze Nacht für uns.

2 Kommentare Tina am 29.7.16 23:52, kommentieren

28.7.16 Von Knysna über Oudtshoorn, Montagu und Ashton zur Rosendal Winery in Robertson

Heute liegen 370 Kilometer vor uns in Richtung Kapstadt. Allerdings diesmal durch das Hinterland, die kleine Karoo. Anders als von der travel agency empfohlen, fahren wir nicht auf der großen N2 zurück, sondern entscheiden uns für die R62, die "Route 62", die man hier mit der Route 66 zwischen Chicago und LA vergleicht. Zusätzlich wollen wir über den Alfred's Pass, ca 75 km durch Urwald und durch die Berge, aber nach meiner Lektüre wunderschön. Wir suchen uns also den im Vergleich eher schlecht ausgeschilderten Weg, der durch das Township von Knysna führt, was uns etwas überrascht. Nach einigen Kilometern wird allerdings klar, was dahinter steckt. Der Weg zum Pass ist keine asphaltierte Straße, sondern ein ausgespühlter unbefestigter Weg. Leider mit unserem Nissan nicht zu machen, oder nur in 3-5 Stunden. Wir kehren also zu unserem Bedauern um und nehmen zunächst doch die N2 nach George und dann die N12 nach Oudshoorn, der Hochburg der Straußenzucht. Nach einem Kaffee-Stop kommen wir dort dann endlich auf die R62. Inzwischen ist der Himmel grau und es fängt an regnen. So ist die Strecke wahrscheinlich nur halb so imposant wie mit Sonnenschein, denn immer wieder schlängelt sich die Straße durch rötliche Bergmassive, dann wieder geht es durch unendliche Steppen. Eigentlich gibt es auf 260 km nur die eine Straße und doch verfranzen wir uns in Ladismith, einem kleinem Ort mitten im Nichts, wo gerade der Feierabend-Trubel auf der Hauptstraße des Ortes beginnt und wir wirklich nur noch Schwarze sehen. Je länger wir durch das Städtchen kurven, desto mehr wird klar, dass hier keine Straße weiter durchs Land geht und desto überraschter scheinen die Einwohner, uns zu sehen. Wir werden von jeder und jedem auf der Straße beäugt und fühlen uns genau so. Schließlich bemühen wir das Navi, stellen aber fest, dass keine GPS Daten zu bekommen sind. Wir drehen also um und sehen irgendwann die Abzweigung, die uns wieder auf unsere Route bringt. Irgendwie sind wir erleichtert. Weiter geht es nach Barrydale, einem angeblich netten Küstlerörtchen, dessen Look and Feel ebenfalls dem kalten und nassen Wetter und der anbrechenden Dunkelheit zum Opfer fällt. Im Café "zur blauen Kuh" (blue cow) erklärt uns die Besitzerin, dass dieser Regen wirklich unüblich sei. Ja, ja, nachdem es in Deutschland im Juni/Juli wochenlang geregnet hat, kennen wir den Ausdruck "zu kühl für diese Jahreszeit" nur zu gut. Dazu passt auch der Schnee, den wir auf den Bergen bei unserer Weiterfahrt im Abendlicht sehen. Also doch South Tyrol? Nein, Südafrika und zwar auf der Fahrt über die R62, auf der wir immer wieder durch kilometerlange Baustellen gestoppt werden, in denen es immer nur einspurig voran geht. Bis zu 5 StraßenarbeiterInnen stehen an der einen Seite und sind mit den KolegInnen der anderen Seite über Funk verbunden. Sie stoppen in der einen oder anderen Richtung die Fahrzeuge bzw. geben den Weg frei. Bei jedem Wind und Wetter. In den Bergen. Auch nachts. Sicherlich keine angenehme Arbeit. Aber eine Arbeit. Und Regenhosen und -jacken in Sicherheitsfarben werden wohl auch gestellt. Schließlich haben wir die letzte Sperrung zwischen Montagu und Ashton hinter uns gebracht, bei der zu sehen ist, wie eine neue Straße in den Berg gesprengt wird. Sehr imposant.Im allerletzten Tageslicht erreichen wir unsere Unterkunft, die Rosendal Winery im Bezirk von Robertson. Ein Haus im Kolonialstil mitten in den Weinbergen. Die Zimmer sind riesig und sehr geschmackvoll eingerichtet. Auch hier gibt es eine Badewanne im Zimmer umgeben von hellen Vorhängen. Es gibt Fußbodenheizung, elektrische Heizdecken, eine riesige Terrasse vor jedem Zimmer und zur Begrüßung ein Glas Wein!Wir sind die einzigen Übernachtungsgäste. Erst zum Wochenende, also ab morgen, sind alle 8 Zimmer ausgebucht. Zum Abendessen kommt noch ein Pärchen von außerhalb und geniest wie wir das delikate Essen. Als die beiden gegangen sind und die Kellnerin verschwunden scheint, wagen wir - alleine in dem Restaurant - ein Tänzchen zu ABBA und haben unseren Spaß. Was so ein paar Gläschen Wein ausmachen können. Schließlich ist die Kellnerin doch wieder da und erfreut sich an unserer Tanzeinlagen. Zeit für uns ins Bett zu gehen.

Tina am 28.7.16 23:40, kommentieren

27.7.16 Plettenberg Bay und eine kleine Abenteuerwanderung durch das Robberg Nature Reserve

Auch heute strahlt die Sonne von einem blauen Himmel. Da fühlt sich der Tag natürlich direkt ganz anders an. Auch das etwas lieblose Frühstück voller abgepackter Produkte und der Kaffee, serviert von einem zwar freundlichen Weißen, dessen Frisur allerdings an rechte Gesinnungen erinnert und dessen dreckige Fingernägel nicht zur Serviertätigkeit passen wollen, scheinen im Sonnenlicht "ok".Wir machen uns um 10 Uhr auf zur Plettenberg Bay mit den diversen Traumstränden. Allerdings gilt unsere Aufmerksamkeit dem Robberg Nature Reserve, das die rechte Flanke der Bucht bildet. Hier parken wir unser Auto auf dem ausgewiesenen Parkplatz und laufen zunächst den kleinen Rundweg. Unterwegs erst bemerken wir, das der Hinweis im Reiseführer "ein Rundweg im Uhrzeigersinn" durchaus eine Bedeutung hat: Wir müssen recht steil über Felsen nach unten klettern, die einfacher auf dem Weg nach oben zu nehmen gewesen wären. In der Mitte des Rundwegs zweigt ein Pfad über die Klippen zu einem ganz einsamen Traumstrand ab., den nehmen wir spontan, da wir so begeistert sind. Hier weisen Totenköpfe darauf hin, dass der Weg über Klippen mit Vorsicht zu genießen ist.....ich werde etwas nervös, aber Bernhard führt uns über alle zu kletternden Engpässe und glitschigen schräg abfallenden Klippen bis zu dem weiten von der Ebbe frei gegebenen Sandstrand. Es ist atemberaubend schön. Wir stehen und staunen und lassen uns die afrikanische Sonne ins Gesicht strahlen. Hier sind wir fast ganz alleine. Nur in weiter Entfernung sind grob 4 andere Wanderer zu erkennen. Überhaupt sehen wir an diesemTag im gesamten Reserve nicht mehr als 20 Menschen, die Parkwächter inbegriffen.Leider haben wir weder Wasser noch Sonnencreme oder ein Handtuch dabei, denn mit so etwas haben wir nicht gerechnet. Wir verbringen die Zeit einfach am Strand mit dem Blick auf die sich überschlagenden Wellen und die hohen Berge und Felsen, die uns umgeben.Zurück nehmen wir wieder den gleichen Weg über die Klippen, da wir alternativ gegen den Uhrzeigersinn eine ca. 100 Meter hohe Düne hätten hinauf laufen müssen. Der anzunehmende Sand in den Schuhen sowie die Hitze halten uns davon ab.Wieder oben auf dem Berg genießen wir den Blick auf die Plett-Strände im Nachmittagslicht und "spotten", kaum dass Bernhard darauf hingewiesen hat, dass wir heute noch gar keine Tiere gesehen hätten, 5 Seehunde, die tief unter uns in der Gischt der an den Klippen tobenden Wellen ihre Schwimmkünste zum besten geben. Unglaublich, wie geschickt sie die messerscharfen Felsen umrunden, auf den Wellenkämmen surfen und mit welchem Tempo sie sich an der Küste hin und her bewegen. Ein schönes Schauspiel, das wir lange beobachten und uns daran erfreuen. Am Nachmittag fahren wir nach Plettenberg hinein. Hier gibt es ein paar Shops, einen kleinen Markt und vor allem "Clare's Cake", ein wunderschönes Café mit den leckersten Cheesecakes und Cupcakes in allen Geschmacksrichtungen und ganz reizenden schwarzen Kellnern. Hier sitzen wir eine Zeit lang und beobachten, wie die Einheimischen ein-und ausgehen und sich jeweils einen Pappkarton schnappen, in den sie die Köstlichkeiten legen und damit zum Bezahlen zur Theke gehen. Diesmal sehen wir viele schwarze Kunden, die schick gekleidet sind und mit Autos durch Plettenberg fahren. Hier scheint arm und reich etwas anders verteilt zu sein. Auch gibt es Weiße, die auf dem Markt Stände betreiben. Schade, dass wir nicht etwas länger bleiben können. Aber unsere Fahrt auf der Garden Route endet hier und wir werden uns morgen nach einer weiteren Übernachtung in Knysna auf den Rückweg nach Kapstadt über die Weinregion machen.

Tina am 27.7.16 23:16, kommentieren

26.7.16 Knysna - Endlich Sonne an der Lagune und beim Elephant Walk

Schon beim morgendlichen Nordic Walk wird klar: Es ist heute etwas wärmer und die Temperatur wird hoffentlich die vorher gesagten 16 Grad knacken.Nach einem weiteren á la carte Frühstück machen wir uns um 10 Uhr bei strahlendem Sonnenschein wieder auf die 50 Kilometer nach Knysna. Dort checken wir im Overmeer Guesthouse ein, was zum Glück bereits um 11 Uhr möglich ist. Das Zimmer ist riesig und es gibt eine Aircon, die auch heizt! Außerdem einen großen Balkon mit Blick auf die Lagune. Leider nicht auf die imposanten Klippen von "the Heads", die das Wahrzeichen von Knysna sind. Dahin machen wir uns dann auf den Weg. Und erfreuen uns am Blick herab von den hohen Sandsteinfelsen auf die Bucht und dem schmalen und von tosenden Wellen umkämpften Durchgang zum Meer. Mitten drin entdecken wir plötzlich in der weißen Gischt den Kopf eines Seelöwen. Wie schön.Auf unserem Weg über die Klippen sehen wir weit weit draußen auch noch einen Wal in der Sonne. 1,5 Stunden pure Freude. Und so gestaltet sich auch der Rest des Tages. Wir fahren weiter Richtung Plettenberg Bay und stoppen ca. 10 kmvorher am Knysna Elephant Park. Hier werden Elefantenbabys aufgezogen, die ihre Mutter verloren haben und in der Wildnis alleine keine Chance hätten. Oder Elefanten, die ausgestoßen wurden aus ihren Herden oder auch Ex-Zirkuselephanten, die wieder in Herden integriert werden sollen in Reservaten. Der Weg des einzelnen richtet sich nach "der Persönlichkeit der Tiere". Je nach Gemüt oder Gelehrigkeit finden sie ein entsprechendes neues Zuhause. Mehr als 40 Elefanten haben bereits ihren Weg über den Park gemacht, an einer Stelle, an der es immer Elefanten gab, die aber in den 90 Jahren dort ausgerottet waren und nur noch in den Geschichten des Großvaters des Gründers des Parks existent. Der war davon immer begeistert und als er schließlich davon hörte, dass 2 Baby Elefanten aus dem Krüger Park aufgezogen werden mussten, nahm er sie auf seine Farm und das war der Anfang des Parks. Zur Zeit besteht die Herde hier aus 7 Tieren, wovon 2 bereits im Park geboren wurden.Wir "buchen" Füttern und Elephant Walk, was mich schon immer fasziniert hat und in Deutschland, aber natürlich auch in der afrikanischen Wildnis, nicht möglich wäre. Um 16 Uhr ist es so weit. In einer Gruppe von 10 Touristen werden wir von ein paar Guides zur Herde gebracht. Alle 7 Tiere werden mit Rufen und Körpersprache von den Guides hinter einen Begrenzungsbalken "gestellt". Wir stehen jeder mit einem kleinen Eimer voller Äpfeln, Orangen und Kürbissen davor und können die Tiere füttern. Es fühlt sich toll an, wie sanft und doch schnell die Rüssel das Obst und Gemüse aus unseren Händen pflücken und in die Münder stopfen. Zum Glück stehen alle hinter dem Balken, denn die Begeisterung über die Fütterung scheint groß. Als alle Eimer leer sind, werden wir in kleine Gruppen jeweils einem Führer zugeteilt und gehen mit der Herde spazieren. In schnellem Tempo gehen die Tiere grasend oder ganze Sträucher fressend über einen Acker und wir nebenher. Wir dürfen auch ganz nah ran. Zum Foto, aber für mich vor allem auch zum "Streicheln". Die Haut ist rauh, aber irgendwie auch weich. Und die Haare darauf sind schwarz und borstig. Anschließend sind wir auf einem Weg durch das riesige Gelände eine ganze Stunde mit der Herde unterwegs. Diesmal begleitet jeder einen Elefanten und hat einen Guide dabei. Mein Elefanten-Mädchen heißt Nandhi, ist 12 Jahre alt und im Park geboren. Mit diesem Alter ist sie wirklich noch ein Kind, wie ich lerne, da Elefanten 70 - 80 Jahre alt werden können. Das erzählt mein Guide, der sich Welcome nennt. Er erläutert auch, dass sich die Tiere ihren Guide auswählen. Er sei eigentlich von einem anderen Tier erwählt, arbeite aber heute mit Nandhi. Diese versucht ihm immer wieder etwas Obst aus seiner Umhängetasche zu stibitzen. Sie wird mit der Stimme, manchmal aber auch mit einer Art Spazierstock aus biegsamen Plastik gebremst. Aber nur selten, denn eigentlich lassen die Guides die Tiere laufen. Trotz dieser Touristenattraktion bin ich begeistert. Bis zum Dunkelwerden sind wir den Tieren nahe, bekommen den Schabernack mit ihrem Rüssel zu spüren und können beobachten, wie vorsichtig alle ihre riesigen Füße aufsetzen. Keine Gefahr den eigenen Fuß unter den 2.800 kg von Nandhi wieder zu finden. Das Lächeln in meinem Gesicht hält auch auf dem Weg zurück nach Knysna noch an. Bis wir an den hiesigen Townships vorbei fahren und sehen, wie die Bewohner vor ihren Hütten vor dem offenen Feuer sitzen. Der Geruch der Feuerstellen zieht durch das Auto und bringt mich wieder in die Realität dieses Landes voller Gegensätze zwischen Weiß und Schwarz, Reich und Arm.Das diskutieren wir dann inmitten der weißen Gäste und schwarzen Kellnerinnen und Kellner im "34 South" an der Waterfront in Knysna beim catch of the day und den leckersten frischen Sushis. Die Atmosphäre gleicht der einer Markthalle. Alles ist sehr lebendig. Die Preise sind verglichen mit Deutschland sehr günstig und doch viel zu teuer für die schwarzen Mädchen aus unserem Hotel, die sich um die Zimmer kümmern und ca. 90 Euro verdienen....der Tag geht mit diesen Widersprüchen zu Ende.

Tina am 26.7.16 23:46, kommentieren

25.7.16 Wilderness - Überraschung am Traumstrand beim ersten Schneefall

So wenig gastfreundlich wie der gestrige Empfang in unserem Gasthaus fühlt sich auch der heutige Morgen an: Frühstück bis maximal 9.30 Uhr heißt aufstehen um 7.15 Uhr für meinen Walk. Diesmal "Nordic", nämlich mit Stöcken am Beach. Das ist diesmal wirklich nordisch bei ca. 10 Grad und kräftigem Wind. Nach einer Stunde komme ich mit eiskalter Nase und ziemlich geschafft durch den Lauf im Sand zurück ins Haus. Nach einer heißen Dusche bleiben noch 25 Minuten fürs Frühstück, was nicht viel ist in Anbetracht der Tatsache, dass hier ALLES a la carte serviert wird. Ja, wir hätten tatsächlich gerne eine zweite Tasse Kaffee. Ja und auch eine zweite Scheibe Brot....die sehr freundliche schwarze junge Dame muss für uns leider immer wieder hin und her laufen und dazu tausend mal "sorry" und "thank you" sagen, obwohl wir ja etwas von ihr bekommen. Wir würden uns gerne selber bedienen und uns bedanken, aber das gehört hier nicht zum Konzept.Nach dem Frühstück möchten wir am liebsten den ganzen Tag am endlos langen Sandstrand verbringen und Nichts tun. Bei diesen Temperaturen leider keine gute Idee. Die 10 Minuten Sonnenstrahlen des Tages sind leider bereits um 10 Uhr "aufgebraucht". Ja, dieses Jahr ist einer der härtesten Winter seit vielen Jahren in Südafrika, so hören wir.Dann machen wir eben doch heute schon einen Ausflug nach Knysna, das eigentlich erst morgen auf unserem Programm steht. Auf dem Weg dorthin halten wir immer wieder an picture points an, aber alles ist grau in grau und leider sehr kalt. Ebenso an der Waterfront in Knysna. Hier erreicht das Wetter seinen Höhepunkt mit schweren Regenschauern. Wir trinken also Kaffee und drücken uns durch die Geschäfte. Und fahren nach ein paar Stunden wieder zurück nach Wilderness. In unserem Zimmer herrscht Eiszeit und so setzen wir uns zum Einbruch der Dunkelheit an den offenen Kamin im Frühstücksraum, dessen Feuerasche wir mit viel Blasen und Geduld wieder zum Züngeln bringen. Hier sitzen wir nun für 1,5 Stunden und lesen und schreiben und wärmen uns auf. Die Häuser hier sind nicht für solche Temperaturen gemacht. Und die Townships wahrscheinlich schon gar nicht. Wie es den Schwarzen dort wohl heute geht? So richtig wohl fühlen wir uns bei den Gedanken darüber nicht. Trotzdem brechen wir natürlich später zum Abendessen auf. Das scheint das Highlight des Tages, denn auf meine Frage, wo man denn typisch südafrikanisch essen könne, hatte uns die charmante Dame von der Rezeption gestern genau ein Restaurant ans Herz gelegt und angeboten, uns einen Tisch für heute zu reservieren - das Serendipity. Uns war wichtig, dass wir auf jeden Fall etwas Lokales essen. Und wie uns der Reiseführer aufzeigt, ist das wohl tatsächlich der Fall, denn uns erwartet wohl eins der top 100 Restaurants in Südafrika! Der Unterschied zwischen unseren Gesprächen über die Situation der Schwarzen und unserer eigenen hätte wohl nicht größer sein können.Wir sind gegen 19.30 Uhr in dicken Pullovern im Restaurant. Zwar wird zwei mal nachgefragt, ob wir auch tatsächlich reserviert haben (es gibt nur 12 Plätze), währenddessen werden wir allerdings von der Chefin selber bereits zum Aperitif ins Kaminzimmer geführt. Hier ist es zum Glück warm.Lizelle ist die Besitzerin und mit vielen Preisen dekorierte (die wichtigsten hängen zu unserer Belustigung auf der unisex Toilette) weiße Köchin. Sehr charmant, sehr freundlich, sehr gewandt im Umgang mit Gästen. Und auch mit Überraschungen, denn wie sich am nächsten Tag heraus stellt, war für uns kein Tisch reserviert....Aber so ist der Name Programm, denn Serendipity bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Dieses Prinzip sei in Anlehnung an ein persisches Märchen mit dem englischen Titel The Three Princes of Serendip geprägt, in dem die drei Prinzen viele dieser unerwarteten Entdeckungen machen, erklärt uns Lizelle. Und Serendip sei die alte, von arabischen Händlern geprägte Bezeichnung das heutige Sri Lanka und habe ihre Wurzeln im alten Sanskrit-Namen der Insel, Simhaladvipa. Das ist wiederum eine schöne Überraschung für mich und ich freue mich, an der südafrikanischen Küste an Sri Lanka erinnert zu werden.Auch über das Essen und den Wein an diesem Abend freuen wir uns sehr. Denn innerhalb des 5 Gänge Menüs gibt es ein tolles Bobotie, ein sagenhaftes kaltes Rosmarin Sorbet und ein wahnsinnig zartes Springbock Filet. Kein Fleisch in Deutschland kann daran heran reichen und Lizelle mutmaßt, dass unser Reh grundsätzlich ähnlich sei, aber eben nicht so viel in der Sonne laufe und Kräuter fresse, die ebenfalls in der starken Sonne blühen. Das können wir gut nachvollziehen. Anders als ihre Begeisterung für den Schnee, den es seit heute im naheliegender Gebirge gebe. Wir sollten doch unbedingt dort vorbei fahren....Nun, da hätten wir auch nach Südtirol fahren können, was wir im Vorfeld ebenfalls auf unserer Liste hatten. So fahren wir wieder zurück in unser Hotel bis träumen in der Kälte von sonnenbeschienenen Springböcken.

Tina am 25.7.16 22:47, kommentieren